Was ist Neurodermitis?

Bei Neurodermitis handelt es sich um eine häufige, chronisch – d. h. dauerhaft anhaltende – entzündliche, aber nicht ansteckende Hauterkrankung. In Fachkreisen auch als atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem bezeichnet. Sie tritt meist in Schüben auf und äußert sich durch sichtbare Hautveränderungen und starken Juckreiz.

Weltweit leiden Millionen Menschen an Neurodermitis – mit steigender Tendenz. Sie ist die häufigste chronisch-entzündliche Erkrankung im Kindesalter. In Deutschland hat fast jedes 4. Baby oder Kleinkind Neurodermitis. Häufig nehmen die Symptome mit zunehmendem Alter ab. Trotzdem sind auch über 3 Millionen Erwachsene in Deutschland von Neurodermitis betroffen.

Neurodermitis kommt etwa gleich häufig
bei Männern und Frauen vor.

Weltweit leiden schätzungsweise
3 Prozent der Erwachsenen an Neurodermitis

Die Neurodermitis kann
bei Menschen aller Hautfarben auftreten.

Neurodermitis – wie Betroffene damit leben

Eine Patientin berichtet über ihre Erfahrungen mit den Schüben und wie sich die Krankheit auf ihr Leben auswirkt.

Tanya:

Manche sagen zu mir, es sei ja nur meine Haut, das sei doch nicht so schlimm. Ich hätte ja noch beide Arme und Beine und könne gehen. Ich wäre ja nicht ans Bett gefesselt, es sei doch keine lebensbedrohliche Krankheit und ich würde nicht daran sterben. Aber offen gesagt, es ist schon extrem belastend – der Schlafmangel, das Gefühlschaos und das, was ich „psychologische Kriegsführung” nenne, das alles zeigt irgendwann seine Wirkung.

Für mich ist das Schlimmste, dass ich nicht richtig schlafen kann. Ich kann mich nicht erinnern, irgendwann einmal eine ganze Nacht durchgeschlafen zu haben. Seit ich ein Baby war. Dieser Juckreiz reißt mich hin und her, stresst mich. Der Verstand sagt, ich soll aufhören, aber der Körper verlangt einfach, dass ich kratze. Und dabei weiß ich doch, dass ich damit die Haut noch mehr und stärker verletze und das führt erneut zu Stress – ein echter Teufelskreis! Häufig kratze ich so lange, bis ich offene Stellen oder richtige Wunden auf der Haut habe. Dann ist es einfach unerträglich und ich melde mich krank. Meinen Alltag kriege ich dann nicht mehr geregelt.

Die Neurodermitis ist immer dann ein Problem, wenn ich neue Leute kennenlerne und bei gesellschaftlichen Ereignissen. Besonders schwer ist es aber, wenn ich ein Date habe und in intimen Situationen. Als ich zum Beispiel meinen Mann kennengelernt habe, kannte der noch niemanden mit Neurodermitis. Er wusste kaum, was das ist. Und er hat total unterschätzt, was die Krankheit für mich und auch für unsere gemeinsame Zukunft bedeuten könnte. Er möchte helfen, weiß aber nicht wie. Und leider stört meine Krankheit wohl auch seinen Schlaf. Wir können dann beide nicht schlafen. Auch unser Intimleben ist durch die Krankheit manchmal nicht so wie es sein soll. Jetzt nach fünf Jahren sind wir an einem guten Punkt angelangt. Aber zu Beginn unserer Ehe, als wir zusammengezogen sind, hat er nicht verstanden, warum ich manchmal nicht umarmt werden wollte. Manchmal konnte ich einfach keine Berührung ertragen. Manchmal wollte ich nicht einmal, dass wir auf der Straße Hand in Hand gehen. Ich denke, jetzt versteht er, dass es nichts mit ihm oder unserer Beziehung zu tun hat, sondern nur damit, wie ich mich fühle. Um dahin zu kommen, mussten wir manche Kämpfe austragen und manche Hürden überwinden.

Manchmal schaue ich in den Spiegel und sehe jemanden, der einfach hässlich ist. Es ist echt traurig, aber leider wahr, dass man ... man verliert einfach komplett sein Selbstwertgefühl. Man schaut in den Spiegel und sieht etwas, das einem widerlich und ekelhaft erscheint.

Es gab eine Zeit, da war ich sehr depressiv. Und es gibt immer noch Tage, an denen ich nicht aufstehen möchte, weil ich einfach niemandem begegnen will. Es ist nicht schön, wenn man das Gefühl hat, alles, was man zu bieten hat sind offene Wunden und Flecken im Gesicht, und jeder sieht sie.

Außerdem habe ich ständig Angst, dass mein Kind Neurodermitis haben könnte. Wenn ich dran denke, dass mein Baby, ob Junge oder Mädchen, das von Kindheit an bis ins Erwachsenenalter haben würde, ich glaube, das könnte ich nicht ertragen. Und ich weiß auch nicht, ob ich es schaffen würde, mich um meine eigene Krankheit und dann auch noch um dieses Kind zu kümmern.

Neurodermitis – Ursachen

Um bei Neurodermitis den Kreislauf durchbrechen zu können, ist es wichtig zu wissen: Neurodermitis ist keine reine Hautkrankheit. Die genauen Ursachen für eine Neurdermitis sind noch nicht vollständig geklärt. Aber klar ist, dass mehrere Faktoren zur Entstehung der Krankheit und zum Auslösen der Schübe beitragen:

  • Überempfindlichkeit des Immunsystems
  • Gestörte Barrierefunktion der Haut
  • Umweltfaktoren
  • erbliche Vorbelastungen

Störungen der Hautbarriere: Die gesunde Haut bildet eine natürliche Barriere zur Umwelt und sorgt dafür, dass Fremdstoffe, wie Bakterien und Schadstoffe, nicht ungehindert in den Körper eindringen können. Bei Menschen mit Neurodermitis ist diese Hautbarriere gestört. Die Folge: Die Haut ist sehr trocken und stark empfindlich. Fremdstoffe können leichter in das Innere des Körpers gelangen.

Fehlfunktion des Immunsystems: Die Aufgabe des Immunsystems ist den menschlichen Körper vor Fremdstoffen und Krankheitserregern zu schützen. Bei Menschen mit Neurodermitis ist das Abwehrsystem des Körpers aus den Fugen geraten. Infolgedessen reagiert das Immunsystem verstärkt auf eigentlich harmlose Reize und löst Entzündungsreaktionen aus, die immer wieder neu entfacht werden und z. B. die Funktion der Hautbarriere beeinträchtigen.

Genetische Veranlagung: In gewissem Maße ist die Veranlagung für Neurodermitis vererbbar. Leiden z. B. sowohl Mutter als auch Vater an Neurodermitis, liegt das Erkrankungsrisiko für das Kind bei 60 bis 80 Prozent. Leidet nur ein Elternteil an Neurodermitis, so besteht ein Risiko von 20 bis 40 Prozent.

Umweltfaktoren: Umweltfaktoren sind Faktoren, die Einfluss auf das Krankheitsgeschehen haben können. Im Fachjargon spricht man von Provokationsfaktoren, weil sie das Auftreten der Symptome „provozieren“ können. Diese sind bei jedem Patienten individuell.

Beispiele für Umweltfaktoren:

  • Falsche oder übermäßige Hautreinigung (z. B. häufiges Duschen bzw. Gebrauch von Seifen, Pflegeprodukte mit Duft- und Konservierungsstoffen)
  • Zigarettenrauch und Umweltschadstoffe (z. B. Abgase)
  • Kratzende Kleidung (z. B. aus Wollfasern oder Synthetikstoffen)
  • Klima (z. B. geringe Luftfeuchtigkeit in Räumen durch Heizungsluft)
  • Stress
  • Allergene (z. B. Pflanzenpollen, Tierhaare)
  • Infektion (z. B. durch Viren, Bakterien oder Pilze)

Welche Rolle spielen Allergien?

Viele Neurodermitis-Patienten haben auch eine Allergie – z. B. gegen Pflanzenpollen, Tierhaare oder Hausstaubmilben. Substanzen, die eine Allergie auslösen, werden als Allergene bezeichnet und zählen auch zu den Provokationsfaktoren. Sie sind eigentlich harmlos, werden aber vom Körper als fremd erkannt und vom Immunsystem „bekämpft“. Bei Patienten mit Neurodermitis kann der Kontakt mit den Allergenen einen Neurodermitis-Schub provozieren.

Neurodermitis – Symptome

Das Krankheitsbild der Neurodermitis kann von Patient zu Patient variieren und sich in der Ausprägung der Symptome deutlich unterscheiden. Das Spektrum reicht dabei von milden, symptomarmen Formen bis hin zu schweren Verlaufsformen, bei denen eine ununterbrochene intensive Therapie notwendig ist. Dabei ist mehr als jeder zweite Patient von einer mittelschwer bis schwer ausgeprägten Neurodermitis betroffen.

Zu den äußerlich sichtbaren Hautveränderungen gehören z. B.:

  • Entzündete, teilweise blutende Hautstellen (Ekzeme)
  • Hautrötungen (Erytheme)
  • Hautverdickungen (Lichenifikationen)
  • Feine Hauteinrisse – z. B. an den Ohrläppchen oder Fingern (Rhagaden)
  • Trockene Haut (Xerose)

All diese Hautveränderungen sind meist von starkem Juckreiz begleitet.

Die Lage der betroffenen Bereiche kann sich im Verlauf der Erkrankung verändern und ist häufig vom Alter des Betroffenen abhängig. Im frühen Kindesalter und im Schulalter sind Ekzeme im Bereich des Gesichts, der Kopfhaut sowie an Armen und Beinen vorherrschend. Bei Jugendlichen und Erwachsenen treten in der Regel Ekzeme am Hals, Augenlider, Ellenbogen, Kniekehlen und an den Füßen sowie Händen auf.

Neurodermitis – ein Kreislauf aus Jucken und Kratzen

Neurodermitis ist gekennzeichnet durch Entzündungen der Haut, die sich äußerlich durch Hautveränderungen zeigen. Betroffene Hautstellen sind trocken, gerötet und jucken.

Da die Erkrankung schubförmig verläuft, kann es Phasen geben, in denen die Haut nahezu gesund erscheint und Phasen, in denen die stark juckenden, entzündeten Stellen das Hautbild bestimmen. Patienten im akuten Schub sind häufig in einem Teufelskreis aus Jucken und Kratzen gefangen. Das Kratzen der juckenden Haut verschafft aber nur für einen kurzen Moment Linderung. Langfristig fügt man der Haut nur noch mehr Verletzungen zu, die in der Folge zu weiteren Juckreizattacken führen.

1. GESCHÄDIGTE BARRIEREFUNKTION DER HAUT. Eindringen von Reizstoffen und Allergenen

Bei Menschen mit Neurodermitis ist die Barrierefunktion der Haut gestört. Die Vernetzung der oberen Hornzellen ist nicht stabil und es fehlt Feuchtigkeit. Dadurch können Allergene und andere Reizstoffe leichter in die Haut eindringen.

2. RÖTUNG

Das Immunsystem reagiert auf die Eindringlinge mit Entzündung, erkennbar an der Rötung der Haut.

3. JUCKREIZ

Gleichzeitig beginnt die Haut an der Stelle der Rötung stark zu jucken.

4. KRATZEN

Als Reaktion auf den Juckreiz wird gekratzt. Dadurch wird die oberste Hautschicht weiter geschädigt und weitere Allergene, aber auch Bakterien und Viren können jetzt eindringen, das Immunsystem reagiert weiter und verstärkt mit Entzündungen. Der Juck-Kratz-Kreislauf beginnt.

Neurodermitis – Diagnose

Die Diagnose Neurodermitis wird in der Regel durch einen Hautarzt (Dermatologe) gestellt. Bei der Untersuchung wird die Haut gründlich unter die Lupe genommen und ein besonderes Augenmerk auf Ekzeme gelegt. Wegen der genetischen Ursache für Neurodermitis werden oftmals noch Fragen zur familiären Vorgeschichte gestellt. Die Lage und das Aussehen der Ekzeme sowie die Kenntnisse zur familiären Belastung führen in der Regel zur Diagnose.

Neurodermitis ist erst der Anfang?

Neurodermitis zählt zu den Erkrankungen des atopischen Formenkreises. Eine Atopie beschreibt die genetische Veranlagung, empfindlich auf verschiedene, oft harmlose Stoffe aus der Umwelt zu reagieren. Zu weiteren Erkrankungen des atopischen Formenkreises gehören: allergisches Asthma, allergische Bindehautentzündung, allergischer Schnupfen (allergische Rhinitis) und Nahrungsmittelallergien. Typisch für diese Erkrankungen ist der sogenannte atopische Marsch: Manche Kinder mit Neurodermitis haben ein erhöhtes Risiko später weitere allergische Erkrankungen wie Nahrungsmittelallergien, Heuschnupfen oder allergisches Asthma zu entwickeln.

Umgang und Bewältigung

NEURODERMITIS HAT MICH AN DER KURZEN LEINE GEHALTEN.

Heute möchte ich mich einfach vom Leben mitreißen lassen.

Sport, Kino oder Schwimmbad: Was für viele Menschen zur Normalität gehört, kann bei Neurodermitis eine echte Herausforderung sein.

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