Neurodermitis allgemein

LERNEINHEIT 2: WAS PASSIERT IN DER HAUT BEI NEURODERMITIS?

Die Haut erfüllt normalerweise zahlreiche wichtige Funktionen, die sie bei Menschen mit Neurodermitis nicht mehr erfüllen kann. Doch was passiert bei Neurodermitis eigentlich, dass es zum juckenden Hautausschlag kommt? Erfahren Sie in dieser Lerneinheit mehr über die Symptome und Ursachen der Erkrankung.

5 min Lesezeit

Die Haut ist viel mehr als nur ein Sinnesorgan

Die Haut hat viele Aufgaben: Sie regelt die Körpertemperatur, schützt das Körperinnere vor Verletzungen und Austrocknung, hilft dem Körper, Vitamin D zu produzieren und ist ein wichtiges Sinnesorgan, das uns Berührung und Schmerz empfinden lässt.

Einige Menschen bezeichnen die Haut auch als „Spiegel der Seele“, weil sie Emotionen offenbaren kann. Auch die körperlich geistige Verfassung eines Menschen ist ihm häufig an der Haut anzusehen.

 

Die drei Hautschichten erfüllen wichtige Funktionen

Die Haut besteht aus drei Schichten, die bestimmte Funktionen erfüllen. Der Oberhaut, der Lederhaut und der Unterhaut.

  1. Die Oberhaut / Epidermis

    Die äußere Schicht wird als Epidermis bezeichnet. Sie bildet die Grenze des Körpers zur Außenwelt und verhindert, dass Fremdstoffe wie z. B. Bakterien in den Körper gelangen. Zudem ist sie der Feuchtigkeitsspeicher der Haut. Die sogenannte Hautbarriere ist besonders wichtig für den Erhalt von gesunder Haut. Sie ist ein stabiler Verbund aus vernetzten Hornzellen und Fetten, der wie ein Schutzschild auf der Epidermis liegt. Die Hautbarriere kann bei Neurodermitis geschwächt sein.

 

Die drei Hautschichten erfüllen wichtige Funktionen

Die Haut besteht aus drei Schichten, die bestimmte Funktionen erfüllen. Der Oberhaut, der Lederhaut und der Unterhaut.

  1. Die Lederhaut / Dermis

    Die mittlere Schicht wird Dermis genannt und verleiht der Haut Elastizität und Dehnungsfähigkeit. Sie ist durchzogen von vielen Nerven und Blutgefäßen.

  2. Die Unterhaut / Subcutis

    Die untere Schicht wird auch als Subcutis bezeichnet und besteht aus lockerem Bindegewebe. Sie enthält eingespeicherte Fettzellen, die als Isolation und Speicher dienen.

 

Alltag bei Neurodermitis: juckender Hautaussschlag

Bei Neurodermitis entsteht ein juckender, roter Ausschlag auf der Epidermis, der auch schuppend, nässend, eitrig oder blutig sein kann. Diese Wunden und gereizten Hautbereiche stellen eine Eintrittspforte für Substanzen dar, die die geschwächte Hautbarriere noch zusätzlich schwächen. Das Hautbild von Menschen mit Neurodermitis ist unterschiedlich und kann sich schubweise verbessern oder verschlechtern. Keine Seltenheit sind starke Hautverdickungen, tiefsitzende Knoten, Hauteinrisse, Schwellung oder nässende Bläschen. Das ist für Betroffene nicht nur eine körperliche, sondern kann auch zu einer psychische Belastung werden.

Kratzen verschlimmert den Juckreiz

Durch Kratzen der betroffenen Hautstellen verschlimmert sich der Juckreiz und die Haut entzündet sich noch mehr. Die geschädigte Haut ist außerdem anfälliger für Infektionen, weshalb Menschen mit Neurodermitis häufig an Infektionen der Haut leiden. Die Hautbarriere ist bei Menschen mit Neurodermitis meist weniger widerstandsfähig und bietet im Vergleich zu gesunder Haut keinen so ausreichenden Schutz. Dadurch neigt sie zu Trockenheit. Reizstoffe, wie z. B. Schmutz, Bakterien, Allergene oder Viren können einfacher eindringen und eine Entzündung auslösen oder verschlimmern. Ein Kreislauf entsteht, der nur schwer zu durchbrechen scheint.1

1 [Page Structure and Function of Skin (Merck Manual)]

Die Ursache für Neurodermitis liegt oft unter der Haut

Viele Prozesse der Neurodermitis spielen sich unter der Hautoberfläche ab. Die genauen Ursachen sind noch nicht vollkommen geklärt. Es gilt jedoch als gesichert, dass das Immunsystem von Menschen mit Neurodermitis zu Überreaktionen neigt.

Neurodermitis - eine chronische Überreaktion des Immunsystems

Im Gegensatz zum Immunsystem von gesunden Personen, schaltet sich das Immunsystem von Menschen mit Neurodermitis nicht ab, nachdem es einmal auf eine vermeintliche Bedrohung durch bestimmte Auslöser (Trigger) reagiert hat.2 Dies ist einer der Gründe, warum die Neurodermitis chronisch ist.

2 [Weidinger (Nature Primer 2018)/p6/Figure 2 and legend]

Das Immunsystem ist komplex

Das Immunsystem ist das körpereigene Abwehrsystem. Seine Hauptaufgabe ist es, den menschlichen Körper vor Fremdstoffen und Krankheitserregern zu schützen. Hierfür ist das körpereigene Abwehrsystem bestens ausgestattet: Es beinhaltet ein breites Arsenal an Immunzellen, die zwar unterschiedliche Funktionen erfüllen, aber dennoch in engem Kontakt zueinander stehen müssen. Denn jede Reaktion des Immunsystems zum Schutz des Körpers bedarf einer genauen Kommunikation, um koordiniert und gezielt ablaufen zu können.

Sobald ein allergieauslösender oder reizender Stoff oder ein Krankheitserreger die Hautbarriere passiert hat, melden Immunzellen dem Körper, dass er angegriffen wird. Diese Immunzellen wandern anschließend in die Lymphknoten, die sich in der zweiten Schicht der Haut befinden, der so genannten Dermis. In den Lymphknoten angekommen, aktivieren die Immunzellen die zelluläre Verteidigungsfront des Körpers, die sogenannten T-Helferzellen. Die T-Helferzellen wiederum setzen chemische Botenstoffe frei, die eine Entzündungsreaktion auslösen.

Die Kommunikation zwischen den Immunzellen findet mit Hilfe von verschiedenen Botenstoffen statt. Das sind spezielle Eiweiße, die ihre Wirkung über spezifische Andockstellen auf Zellen, sogenannte Rezeptoren, entfalten. Bei Menschen mit Neurodermitis ist das Abwehrsystem des Körpers aus den Fugen geraten. Bestimmte Zellen des Immunsystems, sogenannte Typ-2-Helferzellen (TH2-Zellen), sind in einem andauernden Aktivierungszustand und produzieren vermehrt entzündungsfördernde Typ-2-Botenstoffe – vor allem Interleukin-4 (IL-4) und Interleukin-13 (IL-13).

Was sind Interleukine?
Als Interleukine bezeichnet man verschiedene Botenstoffe des Immunsystems. Sie werden von bestimmten Immunzellen produziert und haben bei körperlichen Abwehrreaktionen ganz unterschiedliche Aufgaben. Interleukine steuern z. B. die Abwehr von Krankheitserregern und fördern Entzündungsprozesse. Nach der Reihenfolge ihrer Entdeckung werden sie in mehrere Untergruppen unterteilt, die durch Zahlen gekennzeichnet werden.

Aufgrund des Übermaßes dieser Typ-2- Botenstoffe ist das Immunsystem überaktiv und verursacht die andauernden und wiederkehrenden – also chronischen – Entzündungen in der Haut. Das äußert sich bei Betroffenen durch die typischen Hautveränderungen und Juckreiz. Die Art von Entzündung, bei denen die Botenstoffe IL-4 und IL-13 beteiligt sind, bezeichnet man im Fachjargon als Typ-2-Entzündung.

Bei Neurodermitis reagiert das Immunsystem über

Bei Menschen mit Neurodermitis wird diese Entzündungsreaktion nicht abgeschaltet. Sie läuft immer weiter, auch wenn die Haut gesund aussieht. Durch Kratzen der juckenden, entzündeten Hautbereiche wird die Überreaktion des Immunsystems zusätzlich angeheizt. Eine Möglichkeit, die Neurodermitis wirksam zu behandeln, ist daher, die Immunreaktion einzudämmen. Informieren Sie sich und sprechen Sie Ihren Arzt auf Ihre Behandlungsmöglichkeiten an.

 
 

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