Mit Neurodermitis als MTRA arbeiten? Wie ich meinen Traumberuf trotz Hauterkrankung ausübe
Es gehört ein bisschen Glück dazu, einen Beruf zu finden, den man sehr gerne ausübt.
Ich habe meinen Traumberuf gefunden und verbringe gerne Zeit bei der Arbeit. Doch leider machen mir meine Neurodermitis und die Ekzeme dabei manchmal zu schaffen.
Name: Laura
Geboren: 1995
Schreibt über: Den Alltag mit Neurodermitis
Mit Neurodermitis als MTRA arbeiten? Wie ich meinen Traumberuf trotz Hauterkrankung ausübe
Name: Laura
Geboren: 1995
Schreibt über: Den Alltag mit Neurodermitis
Es gehört ein bisschen Glück dazu, einen Beruf zu finden, den man sehr gerne ausübt.
Ich habe meinen Traumberuf gefunden und verbringe gerne Zeit bei der Arbeit. Doch leider machen mir meine Neurodermitis und die Ekzeme dabei manchmal zu schaffen.
Die Wahl meines Berufs und die Ausbildung
Vor über zwölf Jahren habe ich meine Ausbildung zur Medizinisch-technischen Radiologieassistentin (MTRA) begonnen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich keine Neurodermitis-Schübe. Der letzte Schub lag einige Jahre zurück und da sie zu der Zeit nur sehr kurz und leicht waren, habe ich mir über eine mögliche Berufsunfähigkeit keine Sorgen gemacht.
Ich habe diesen Beruf gewählt, weil ich die Kombination aus Medizin und Technik interessant fand. Gegen Ende der Ausbildung tauchten Ekzeme auf und ich habe eine Nesselsucht (Urtikaria) entwickelt. Bei schnellen Temperaturwechseln von kalt auf warm, bei sportlichen Aktivitäten und sogar schon beim Treppensteigen bildeten sich innerhalb kurzer Zeit juckende Quaddeln am ganzen Körper. Leider half bei mir kein Antiallergikum, sodass mir nur übrigblieb, die Auslöser zu vermeiden. Auch zu diesem Zeitpunkt machte ich mir keine Sorgen, dass ich meinen Beruf mal nicht ausüben könnte – das kam erst Jahre später.
Meine Tätigkeiten als MTRA
Als MTRA arbeite ich in der Radiologie, in der Strahlentherapie und in der Nuklearmedizin.
Am liebsten arbeite ich in der Nuklearmedizin. Dort können mit Hilfe von radioaktiven Substanzen (Radiopharmaka) Aufnahmen für die Diagnostik erstellt werden. Auch die Therapie bestimmter Erkrankungen ist mit Hilfe von Radiopharmaka möglich. Als MTRA ist man für die Herstellung der Radiopharmaka, die Patientenbetreuung und die Anfertigung der Aufnahmen mit einer sogenannten Gammakamera verantwortlich.
Mein erster Job in einer Praxis
Während meiner Ausbildung habe ich am Wochenende gekellnert, da die Ausbildung Geld gekostet hat und ich durch meine lange Strecke zum Ausbildungsort, dem Krankenhaus, auch Fahrtkosten zahlen musste. Nach der Ausbildung waren für mich zwei Dinge klar: dass ich in einer Praxis in meiner Nähe und in der Nuklearmedizin arbeiten möchte. Ich dachte, die Arbeit in einer Praxis sei entspannter als die in einem Krankenhaus. Nach neun Jahren Berufserfahrung kann ich heute die Vor- und Nachteile der Arbeitsorte im Hinblick auf die Neurodermitis nennen. In meinem ersten Beruf habe ich in Vollzeit 40 Stunden gearbeitet und hatte 30 Tage Urlaub. Während ich am Mittwoch meistens um 13 Uhr Feierabend hatte, waren die anderen Tage sehr lang. Diese gingen meistens von 7 Uhr bis 16:30 Uhr. Die langen Tage waren sehr anstrengend, da das Patientenaufkommen in der Praxis sehr hoch war. Oft wurde mit zu wenig Personal gearbeitet und dazu fielen immer mehrere Aufgaben gleichzeitig an. Zum Beispiel musste eine radioaktive Substanz hergestellt werden, um sie den Patienten zu verabreichen, ein Patient musste auf die Gammakamera, ein Patient musste zum Arzt und parallel klingelte das Telefon. Diese Situation hielt meistens den ganzen Tag an und machte in Kombination mit dem langen Arbeitstag die Arbeit sehr anstrengend. Bei mir führte dies zu einer Verschlechterung der Neurodermitis. Während der Arbeit blieb oft keine Zeit für eine richtige Pflege der Ekzeme. Am Wochenende versuchte ich, die Pflege und Entspannung nachzuholen, doch zwei Tage reichten meistens nicht aus.
Die Arbeit in einem Krankenhaus
Nachdem ich viel Erfahrung in der Nuklearmedizin gesammelt hatte, wollte ich auch in anderen Bereichen und im Krankenhaus arbeiten. Ich habe meinen Arbeitsplatz daher mehrfach gewechselt. Die Gründe dafür waren vielfältig: das Gehalt, die Möglichkeit, Erfahrungen in unterschiedlichen Bereichen zu sammeln, die Arbeitsbedingungen und der Umzug in die Heimat. Bisher habe ich in zwei Praxen und zwei Krankenhäusern gearbeitet, aktuell bin ich ebenfalls in einem Krankenhaus tätig. Hier habe ich für mich die besten Arbeitsbedingungen gefunden. Mir gefällt es zum Beispiel viel besser, jeden Tag acht Stunden zu arbeiten, und ich finde es auch gut, am Wochenende zu arbeiten. Dann bekomme ich in der Woche darauf einen Tag frei, was mir einen guten Ausgleich ermöglicht.
Generell gefällt mir die Arbeit in der Nacht sehr gut, auch wenn sie den Tag-Nacht-Rhythmus durcheinanderbringt. In der Nacht arbeitet man in seinem eigenen Tempo und selbstständig. Die Nächte sind nur dann ein Problem für mich, wenn ich unter einem Schub leide, da meine Leistungen dann schlechter werden. Je nach Stärke des Schubs melde ich mich dann krank. Denn aus Erfahrung weiß ich: Sollte ich mich für die eine Nacht nicht krankmelden, würden die Ekzeme nur noch schlimmer werden. Die Folge wäre, dass ich wochenlang nicht arbeiten gehen könnte.
Mein Tipp: Ob Arbeitsweg, Arbeitszeit oder Arbeitsverhältnis – finde für Dich selbst heraus, welche Bedingungen für Dich und Deine Neurodermitis am besten funktionieren und womit es Dir am besten geht. Das kann die Jobsuche oder auch die Entscheidung zu einem Arbeitsplatzwechsel erleichtern.
Monatelang nicht bei der Arbeit wegen Neurodermitis
Das ist mir vor einigen Jahren passiert: Ich habe meine Ekzeme ignoriert und mich nicht krankmelden wollen. Die Folge war, dass ich monatelang nicht arbeiten gehen konnte.
Ich dachte, ich könnte meinen Beruf nie wieder ausüben. Für mich war die Lösung, weiter nach einer passenden Behandlung meiner Neurodermitis zu suchen, die ich zum Glück inzwischen gefunden habe. Aber auch die Reduzierung der Wochenarbeitszeit von 40 auf 32 Stunden hat mir sehr geholfen, mich besser erholen zu können. Heute arbeite ich wieder in Vollzeit, da meine Neurodermitis sehr gut behandelt wird und ich nur noch selten Ekzeme habe. Sollte meine Haut doch irgendwann wieder schlechter werden, würde ich meine Stunden wieder reduzieren.
Mein Tipp: Gib bei der Suche nach einer für Dich passenden Therapie nicht auf! Es gibt mittlerweile viele gezielte, langfristige Behandlungsmöglichkeiten für die Neurodermitis.
Die Berufskleidung
Ob man nun in der Praxis oder im Krankenhaus arbeitet, ist, was die Arbeitskleidung betrifft, eigentlich egal. In beiden Fällen trägt man eine Hose, die nur bei der Arbeit getragen wird. Dazu kommt ein Oberteil (Kasak) und manchmal auch ein Kittel. In der Praxis ist man für die Reinigung meist selbst verantwortlich. Das fand ich immer gut, denn so konnte ich mit meinem eigenen Waschmittel waschen, welches ich mit meiner Neurodermitis gut vertrage.
Im Krankenhaus wird das Waschen der Kleidung jedoch übernommen. Dies kann dazu führen, dass die Haut auf die Kleidung reagiert, zum Beispiel aufgrund des verwendeten Waschmittels. Eine Lösung dafür kann sein, ein T-Shirt und eine dünne Hose darunterzuziehen, um keinen direkten Kontakt mit der Kleidung zu haben. In meinem Krankenhaus kann allerdings auch extra Wäsche bestellt werden, was mir sehr hilft. Doch auch der Schnitt der Kleidung ist vorgegeben. Bei mir drückt der Kasak oft im Halsbereich. Sollte ich dort Ekzeme haben, kann ich ihn nicht gut tragen und die Ekzeme werden weiter gereizt.
Mein Tipp: Wenn Du bei Deinem Job Arbeitskleidung tragen musst, können offene Gespräche über Deine Bedürfnisse mit Blick auf die Neurodermitis dabei helfen, eine gemeinsame Lösung zu finden – vielleicht kannst Du Deine Arbeitskleidung ja auch selbst zuhause waschen?
Hygiene im Krankenhaus
Während der Arbeit mit Patienten müssen die Hände regelmäßig desinfiziert werden und es müssen Handschuhe getragen werden. Ich habe das Glück, dass meine Haut nicht auf das Desinfektionsmittel reagiert. Sollte ich jedoch Ekzeme im Handbereich haben, wäre eine Desinfektion nicht gut möglich und meine Haut würde zusätzlich gereizt werden.
Es gibt Handschuhe aus Latex und welche ohne Latex. Ich reagiere auf Latexhandschuhe, weshalb ich immer auf die richtigen Handschuhe achten muss.
Wenn bei einem Patienten eine ansteckende Krankheit bekannt ist, müssen wir außerdem bestimmte Kleidung und Masken tragen. Auf diese Schutzkleidung reagiert meine Haut zum Glück nicht. Sollte ich jedoch Ekzeme haben, würden diese zusätzlich gereizt werden. Besonders schlimm wurde es zum Beispiel in der Corona-Zeit. Ich habe damals in einer Praxis gearbeitet. Es gab die Regel, dass man, wenn man mit Patienten arbeitet, eine FFP2-Maske tragen muss, was bei mir bereits nach einem Tag starke Reizungen im Gesicht hervorgerufen hat. Ich durfte nach einiger Zeit wieder eine normale Maske tragen und wurde in dieser Zeit dann vorwiegend in der Nuklearmedizin eingesetzt, da dort der Abstand zu den Patienten am größten ist.
Die körperliche Belastung
Ich fand es schon immer gut, einen Beruf zu haben, bei dem ich mich viel bewege. Doch mein Beruf kann auch körperlich sehr anstrengend sein. Das Umlagern von Patienten vom Bett auf Geräte ist zum Beispiel sehr anstrengend. Das Schwitzen sorgt dann auch für eine Reizung der Ekzeme. Das Gute ist, dass unsere Kameraräume immer gekühlt sind und es dort für mich angenehm zu arbeiten ist.
Würde ich diesen Beruf trotz Neurodermitis wieder wählen?
Ja, würde ich! Ich liebe meinen Beruf. Es hat gedauert, bis ich herausgefunden habe, wie ich meinen Beruf trotz Neurodermitis ausüben kann. Ich weiß mittlerweile, dass ich mich wegen meiner Ekzeme krankmelden darf. Das hat mir sehr geholfen, entspannter zu werden. Der Beruf wird durch die Neurodermitis manchmal erschwert, aber dann nehme ich mich zurück und gebe mir die Ruhe, die ich benötige.
Mein Tipp: Du musst Deinen Traumberuf nicht aufgeben! Es gibt viele Wege und Möglichkeiten, trotz Neurodermitis – vor allem, wenn diese gut kontrolliert ist – den Beruf auszuüben, der Dir Spaß macht. Wichtig ist aber auch, sich passende Unterstützung auf dem Weg zu suchen.
Krankmelden wegen Neurodermitis – Höre auf Deinen Körper!
Ich habe meine Ekzeme früher ignoriert und mich nicht krankmelden wollen. Die Folge: Ich konnte oft monatelang nicht arbeiten.
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