Immunologischer Hintergrund der Neurodermitis

Die Botenstoffe IL-4 und IL-13 aktivieren Immunzellen und lösen Entzündungen aus.

Das Immunsystem ist das körpereigene Abwehrsystem. Seine Hauptaufgabe ist, den menschlichen Körper vor Fremdstoffen und Krankheitserregern zu schützen. Bei Menschen mit Neurodermitis neigt das Immunsystem dazu, verstärkt auf eigentlich harmlose Reize zu reagieren und vermehrt entzündungsfördernde Botenstoffe, sogenannte Interleukine, freizusetzen.

Die Neurodermitis ist eine Erkrankung, die zum sogenannten atopischen Formenkreis gehört, sodass Menschen mit Neurodermitis ein erhöhtes Risiko haben, an weiteren allergische Erkrankungen zu leiden.

Sogenannte Provokationsfaktoren beeinflussen die Neurodermitis.

Neurodermitis entsteht – wie viele andere Erkrankungen auch – nicht durch eine einzelne Ursache. Entscheidend für ihre Entstehung ist das Zusammenspiel von mehreren Faktoren. Das sind zum einen sogenannten immunologische Faktoren, also solche, die mit dem körpereigenen Abwehrsystem zu tun haben. Zum anderen nehmen auch genetische Faktoren und Umweltfaktoren Einfluss auf die Entstehung der Erkrankung.

Die Folge dieses Zusammenspiels: Bei Betroffenen ist der Aufbau der Haut verändert. Das führt dazu, dass die natürliche Schutzbarriere der Haut gestört ist. Eine gesunde Haut schützt vor Feuchtigkeitsverlust und vor äußeren Einflüssen Bei einer gestörten Schutzfunktion trocknet sie hingegen schneller aus. Auch Fremdstoffe wie Bakterien oder Allergieauslöser können leichter in den Körper gelangen. Weil bei Neurodermitis-Patienten immer auch das körpereigene Abwehrsystem gestört ist, können diese eindringenden Allergieauslöser eine teilweise sehr heftige Reaktion des Immunsystems verursachen.

Wie genau aber läuft eine solche Reaktion ab? Wenn Allergieauslöser – also zum Beispiel Pollen, hier in gelb dargestellt – in den Körper eindringen, reagieren zuerst bestimmte Zellen des Immunsystems, die sogenannten Langerhans-Zellen. Das ist hier diese grünlich gefärbte Zelle. Sie befinden sich in der obersten Hautschicht. Die Langerhans-Zellen nehmen die Allergieauslöser auf und wandern dann zu den regionären Lymphknoten. An diesen wichtigen Knotenpunkten des Immunsystems präsentieren sie – etwas vereinfacht gesagt – die Allergieauslöser, die von ihnen aufgenommen wurden, weiteren Immunzellen. Das sind die T-Zellen, die hier in hellblau dargestellt sind. Die T-Zellen bilden daraufhin verstärkt bestimmte Botenstoffe, sogenannte Interleukine. Entscheidend für die chronische Hautentzündung bei Neurodermitis sind dabei vor allem Interleukin-4 und Interleukin-13. Diese Botenstoffe signalisieren dem Körper, dass ein „Eindringling“ in den Organismus gelangt ist. Sie aktivieren weitere Immunzellen und lösen so eine Entzündung aus. Die Folge: Die Haut ist gerötet, fängt an zu jucken und es bilden sich die typischen Hautläsionen.

Die Neurodermitis gehört zu einer bestimmten Gruppe von Erkrankungen, dem so genannten „atopischen Formenkreis“. Alle Erkrankungen dieses Formenkreises haben eine gemeinsame Eigenschaft: Sie werden durch eine übersteigerte Reaktion des Immunsystems ausgelöst, die sogenannte Typ-2 Immunreaktion. Wegen dieser Gemeinsamkeit leiden Menschen mit Neurodermitis auch häufig an anderen Erkrankungen aus dem „atopischen Formenkreis“. Dazu zählen neben Asthma und Heuschnupfen zum Beispiel auch die Bindehautentzündung und Hausstaubmilbenallergien.

Eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Neurodermitis spielen die sogenannten Provokationsfaktoren. Sie heißen so, weil sie den Ausbruch eines Schubs oder eine Verschlimmerung der Krankheit provozieren können. Zu diesen Faktoren zählen zum Beispiel Allergene, wie Pollen oder Milben, psychischer Stress, aber auch extreme Temperaturen, kratzende Kleidung oder hormonelle Veränderungen.

Wenn möglich, sollten solche Provokationsfaktoren gemieden werden. So kann statt Textilien aus Wolle oder Synthetik-Kleidung, besser Baumwolle getragen werden - oder andere, möglichst hautfreundliche Stoffe. Bei der Planung von Reisen sollte man Ziele von vorneherein ausschließen, an denen zum Beispiel eine hohe Luftfeuchtigkeit oder extreme Kälte herrschen. Auch psychische Belastungen wie Stress sollte man möglichst vermeiden. Ist das nicht möglich, können verschiedene Entspannungstechniken wie autogenes Training oder auch Yoga helfen, den Stress abzubauen.

 

 

Psychosoziale Aspekte der Neurodermitis

Wichtig: Selbst aktiv werden, um die richtige Unterstützung für die individuelle Situation zu finden.

Hauterkrankungen gehen häufig einher mit einer erhöhten psychosozialen Belastung. Besonders bei der schweren Neurodermitis haben die Patienten einen hohen Leidensdruck.

Je schwerer der Krankheitsgrad, desto größer ist meistens die psychische Belastung.

Viele Patienten mit Neurodermitis berichten über psychische Belastungen durch die Erkrankung, wie zum Beispiel Einschränkungen im Sozialleben. Diese entstehen etwa wenn die Betroffenen an bestimmten Aktivitäten nicht, oder nur eingeschränkt, teilnehmen können. Dabei gilt generell: Je schwerer der Krankheitsgrad, desto größer ist meistens die psychische Belastung.

Neben dem Schweregrad der Neurodermitis haben aber auch viele andere Faktoren Einfluss auf das psychische Wohlempfinden.

So kann zum Beispiel die Verlaufsform eine große Bedeutung für die Patienten haben. Ist die Krankheit durchgehend auf einem ähnlichen Niveau oder wechseln sich Phasen mit stärkerer und schwächerer Krankheitsintensität ab? Treten die Hausschläge an gut sichtbaren Stellen auf oder lassen sie sich verdecken?

Eine weitere große Rolle spielt die psychische Stabilität der Betroffenen. Dazu gehört zum Beispiel die Fähigkeit, mit Stress umzugehen oder das Selbstwertgefühl. Auch Gefühle, die mit der Erkrankung zusammenhängen, spielen eine Rolle. Zum Beispiel Scham oder Verzweiflung. Wichtig kann auch das soziale Umfeld des Patienten sein. Dazu zählen die Stabilität persönlicher Beziehungen ebenso wie die Rücksichtnahme durch Freunde, Partner oder Kollegen.

Was besonders wichtig ist: Das psychische Wohlbefinden der Betroffenen hat auch eine Auswirkung auf die Erkrankung selbst. Vor allem Stress scheint das Ausmaß der Neurodermitis deutlich zu beeinflussen.

Nicht alle Betroffenen reagieren dabei identisch: Bei einigen verschlechtert sich die Haut beispielsweise in sehr schwierigen Lebensphasen. Andere dagegen haben in solchen Situationen ein gutes Hautbild. Dafür wird die Haut dann nicht selten in der darauffolgenden Zeit schlechter – ähnlich wie bei einer Erkältung, die ja auch oft erst dann richtig ausbricht, wenn Stress und Anspannung vorbei sind.

Was aber kann man tun, um diese Faktoren zu umgehen, damit die Neurodermitis möglichst gar nicht erst ausbricht oder zumindest einen milderen Verlauf nimmt?

Dazu steht eine ganze Reihe von Maßnahmen zur Verfügung. Diese können die Betroffenen dabei unterstützen, mit ihrer Erkrankung gelassener und möglichst positiv umzugehen.

Für den Stressabbau sind Entspannungsübungen besonders geeignet. Durch die Senkung des Stresspegels bessert sich nämlich häufig auch die Haut: Sie juckt weniger und das Hautbild bessert sich. Auch regelmäßige Pausen, etwa bei der Arbeit, und eine gute Selbstorganisation können helfen, Stress im Alltag zu reduzieren.

Kinder mit Neurodermitis können altersabhängig ebenfalls von Entspannungstechniken profitieren. Auch sie stehen häufig schon unter Stress und Anspannung. Bei ihnen ist es außerdem wichtig, dass der Tag einen geregelten Ablauf mit ausreichenden Ruhephasen hat. Bei Jugendlichen, die sich durch die Krankheit weniger attraktiv fühlen, kann ein Training des Selbstbewusstseins helfen.

Für Neurodermitis-Patienten gibt es auch Patientenschulungen, bei denen viel Zeit für Fragen bleibt, auch für solche zu psychischen Belastungen. Besonders zu erwähnen sind hier Schulungen nach dem Konzept der Arbeitsgemeinschaft Neurodermitisschulung e.V.– kurz AGNES. Sie werden für die Eltern erkrankter Kinder aber auch für betroffene Kinder und Jugendliche selbst angeboten. Dass Schulungen auch bei erwachsenen Patienten positive Auswirkungen auf Wohlbefinden und Sozialleben haben, konnte die sogenannte Arbeitsgemeinschaft Neurodermitis-Schulung für Erwachsene – kurz ARNE – in einer Studie nachweisen. Auch eine psychologische Einzelbehandlung kann unterstützen: Selbst wenn sie nicht direkt mit der Neurodermitis in Zusammenhang steht, bessert sich dadurch in einigen Fällen das Hautbild.

Auch wenn Neurodermitis eine immunologische Erkrankung ist und Stress eine deutlich kleinere Rolle als Auslöser spielt: Einige Patienten spüren durch die Reaktionen der Haut, wo ihre Belastungsgrenze liegt und ob sie an ihrem Verhalten etwas ändern sollten. Die Reaktionen der Haut werden dadurch zu einer Art „Warnsystem“, das viele Betroffene positiv für sich nutzen.

Was bei all diesen Maßnahmen entscheidend ist: Der Betroffene sollte selbst aktiv werden, um die für ihn und seine individuelle Situation richtige Unterstützung zu erhalten. Diese Strategien können unterstützend durch schlechte Krankheitsphasen helfen, sind jedoch keine Strategien, die Krankheit an sich zu behandeln.

 

 

Das Krankheitsbild der Neurodermitis

Neurodermitis ist immer aktiv, aber nicht immer sichtbar.

Neurodermitis (atopische Dermatitis oder auch atopisches Ekzem) ist auch bei Erwachsenen eine ernst zu nehmende Erkrankung.

Die Neurodermitis ist eine nicht ansteckende, immunvermittelte, chronische oder chronisch-rezidivierende (chronisch-wiederkehrende) entzündliche Hauterkrankung, die vor allem durch einen starken Juckreiz gekennzeichnet ist.

Neurodermitis – oder in der Fachsprache atopische Dermatitis – ist bei Kindern eine der häufigsten chronischen Erkrankungen: Zwischen 10 und 20 Prozent sind von der Hautkrankheit betroffen. In vielen Fällen bildet sich die Erkrankung zwar vor dem Erwachsenenalter zurück, dennoch sind 1 bis 3 Prozent der Erwachsenen von Neurodermitis betroffen.

Bei dem Großteil dieser Patienten tritt die Erkrankung erstmals im Kindesalter auf und „begleitet“ sie bis ins höhere Lebensalter. Seltener tritt die Neurodermitis erst nach dem 20. Lebensjahr auf: Ärzte sprechen dann von einem „late onset“, also von einer „spät auftretenden“ Neurodermitis.

Zum typischen Erscheinungsbild der Neurodermitis gehört trockene, schuppige und oftmals unerträglich juckende Haut, wie man hier im Bild sieht Die Ursache: Bei Neurodermitis-Patienten ist die Schutz- oder auch Barrierefunktion der Haut gestört. Der Kontakt mit bestimmten Reizen – etwa Keimen, chemischen oder mechanischen Reizen – kann daher zu Entzündungen der Haut und zu starkem Juckreiz führen. Kratzen verstärkt die Entzündungsreaktion weiter und führt dazu, dass das Immunsystem verstärkt mit allergieauslösenden Stoffen, etwa Pollen oder Tierhaaren, in Kontakt kommt. Dadurch erfolgt häufig eine Sensibilisierung, sodass allergische Reaktionen gegen diese Substanzen die Folge sind. Neurodermitis tritt oft in Schüben auf. Das heißt Phasen starker Symptomatik wechseln sich mit beschwerdearmen oder beschwerdefreien Phasen ab. Der starke Juckreiz tritt übrigens nicht nur bei Hautausschlägen auf: Auch gesund aussehende Haut kann stark jucken.

Die betroffenen Stellen und das Aussehen der Haut unterscheiden sich abhängig vom Lebensalter. Bei Kleinkindern unter 2 Jahren zum Beispiel tritt die Erkrankung unter anderem in Form von „Milchschorf“ an der Kopfhaut und im Gesicht auf. Bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sind Symptome an den Gelenkbeugen, im Nacken oder den Händen typisch.

Unabhängig vom Alter tritt starker Juckreiz auf, der sich abends oder nachts häufig noch verschlimmert. Die Folge ist schlechter oder sogar gar kein Schlaf, der bis zu einem Schlafentzug führen und einen erheblichen Leidensdruck verursachen kann. Das hat natürlich auch Einfluss auf den Alltag: man fühlt sich müde, auch Konzentrationsprobleme können zum Problem werden.

Etwa die Hälfte der Patienten leidet an einer mittelschweren bis schweren Neurodermitis, bei der der Juckreiz zum Teil unerträglich ist.

Wichtig zu wissen ist die Tatsache, dass die Neurodermitis eine chronische Erkrankung ist, die immer aktiv, nur nicht immer sichtbar ist.

Die atopische Dermatitis hat oft erhebliche Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen. Bei vielen Patienten gibt es zwar Phasen, in der nur wenige oder sogar keine Beschwerden auftreten – allerdings kommt es auch immer wieder zu Phasen, in denen die Krankheit voll ausbricht. Insbesondere der zum Teil unerträgliche Juckreiz kann zu starken Einschränkungen führen. Bei über zwei Drittel der Betroffenen führt er zu mehr als fünf Juckanfällen pro Tag.

Betroffene berichten, dass wegen des schlechten Hautbildes und durch Schamgefühl Sport- und Freizeitaktivitäten nicht normal ausgeführt werden können. Auch Alltagstätigkeiten wie Einkaufen und Hausarbeiten können schwer fallen. Das kann auch so weit reichen, dass Beziehungen und das Liebesleben beeinträchtigt sind.

Durch diesen hohen Leidensdruck leiden manche Betroffene auch unter Ängsten und Depressionen. Je schwerer die Erkrankung ist, desto häufiger treten sie dabei auf. Der entstehende Stress führt häufig zu einer weiteren Verstärkung des Juckreizes und der Symptome. Das kann die Belastung durch die Erkrankung zusätzlich verstärken.

Da es mittlerweile neue, vielversprechende Forschungsansätze gibt, ist der Gang zum Hautarzt – möglichst schon dann, wenn erste Anzeichen der Erkrankung auftreten – ein wichtiger Schritt, um die Neurodermitis möglichst gut zu behandeln.

 

 

Symptome der Neurodermitis und Diagnosestellung

Wenden Sie sich an einen Hautarzt, um die Neurodermitis möglichst effektiv zu behandeln.

Die Diagnose einer Neurodermitis ist nicht einfach. Einerseits gleichen die Symptome häufig denen anderer Hauterkrankungen. Zudem können sich die Symptome von Patient zu Patient stark unterscheiden. Und Neurodermitis ist eine chronische Erkrankung bei der die Symptome in den verschiedenen Krankheitsphasen unterschiedlich stark ausgeprägt sein können.

Verschiedene diagnostische Kriterien helfen bei der Diagnosestellung. Die Behandlung der Neurodermitis unterscheidet sich je nach individuellem Schweregrad der Erkrankung.

Die Diagnose einer Neurodermitis, die auch als atopische Dermatitis bezeichnet wird, ist nicht ganz einfach. Das hat mehrere Gründe: Erstens gleichen die Symptome häufig denen anderer Hauterkrankungen. Hautveränderungen, wie sie bei Neurodermitis auftreten können, zum Beispiel Rötungen, Bläschen oder Krusten, kommen nämlich auch bei anderen Hautkrankheiten vor. Zweitens, können sich die Symptome von Patient zu Patient stark unterscheiden. In der Fachsprache wird das als „heterogenes Krankheitsbild“ bezeichnet. Und drittens ist die atopische Dermatitis eine chronische Erkrankung. Das bedeutet, dass sie dauerhaft im Körper vorhanden ist, auch wenn man sie nicht immer auf der Haut sieht. Man spricht bei Neurodermitis auch von einem schubförmigen Verlauf, da die Symptome in den verschiedenen Krankheitsphasen unterschiedlich stark ausgeprägt sein können.

Deshalb – um die Feststellung einer Neurodermitis zu erleichtern – wurden sogenannte „diagnostische Kriterien“ entwickelt. Diese sind in Hauptkriterien und Nebenkriterien unterteilt. Zu den Hauptkriterien zählen zum Beispiel Hautausschlag oder Juckreiz. Die Nebenkriterien umfassen unter anderem die Unverträglichkeit von Wolle oder auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Trifft eine bestimmte Anzahl dieser Kriterien bei einem Patienten zu, kann die Diagnose „atopische Dermatitis“ gestellt werden.

Sinnvoll ist es – vor allem bei längerem Krankheitsverlauf und bei Neurodermitis, die auf keine Therapie anspricht – einen Test auf Kontaktallergene zu machen. Dieser Test kann eine allergische Kontaktdermatitis aufdecken, die bei Neurodermits-Patienten nicht selten zusätzlich auftritt.

Die Behandlung der Neurodermitis hängt vom Schweregrad der Erkrankung ab. Der Schweregrad wird in vier Stufen eingeteilt Stufe 1 beschreibt die Therapie einer leichten Neurodermitis und Stufe 4 die einer schweren Form. In jeder Stufe wird die Behandlung dabei um weitere Maßnahmen ergänzt.

Wichtig ist bei allen Stufen eine regelmäßige Hautpflege, um die empfindliche, trockene Haut mit ausreichend Fett und Feuchtigkeit zu versorgen. Dabei gilt: Je trockener die Haut, desto mehr Fett sollte die Pflege enthalten. In Stufe 1 reicht eine solche Behandlung aus. Verschlechtert sich der Hautzustand und der Juckreiz nimmt zu, werden zusätzliche Cremes und Salben verschrieben. Diese enthalten Kortison oder sogenannte Calcineurininhibitoren, die gegen Entzündungen und den Juckreiz wirken. Diese Maßnahmen gelten für die Stufen 2 und 3.

In Stufe 4 kommen sogenannte „Systemische Therapien“ zur Anwendung. Unter systemisch versteht man zum Beispiel Tabletten oder Substanzen, die gespritzt werden. Diese Medikamente wirken nicht direkt an der Entzündungsstelle, sondern sie gelangen ins Blut und können so das gesamte „System“, also den gesamten Körper, erreichen. Als Wirkstoffe werden Kortison oder Ciclosporin eingesetzt, die das Immunsystem herunterregulieren und somit die Entzündungsreaktion verringern.

Mittlerweile gibt es zur Behandlung der mittelschweren und schweren Neurodermitis bei Erwachsenen auch ein sogenannte „Biologika“. Biologika nehmen zielgerichtet Einfluss auf bestimmte Botenstoffe des Immunsystems. Diese Botenstoffe spielen beim Entzündungsgeschehen der Neurodermitis eine zentrale Rolle. Je gezielter ein Medikament in das Krankheitsgeschehen eingreift, desto besser lässt sich die Therapie kontrollieren und das Risiko von Nebenwirkungen senken. Dadurch ermöglichen Biologika eine Behandlung über einen längeren Zeitraum, was bisher nicht möglich war.

Letztendlich kann aber nur ein Facharzt entscheiden, welche der Therapien am besten geeignet ist. Es ist daher ein wichtiger Schritt, sich möglichst schon bei den ersten Anzeichen an einen Hautarzt zu wenden, um die atopische Dermatitis möglichst effektiv zu behandeln.

 

 

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