Mit wegweisenden Therapien komplexen Erkrankungen begegnen. company logo
Anja

KW 3, 21.01.

Neurodermitis im Alltag

Where focus goes, energy flows – Was mich die Neurodermitis bisher alles gelehrt hat

Neurodermitis kann ganz schön fies sein. Sie beschränkt uns in unserem Alltag und kostet uns den letzten Nerv, wenn sie uns nachts nicht schlafen lässt. Sie juckt uns auf der Arbeit, beim Kuscheln mit dem Partner, unter der Dusche und wenn wir uns konzentrieren wollen. Neurodermitis kann dafür sorgen, dass wir uns unwohl fühlen, wenn wir uns im Spiegel sehen und raubt uns unser Selbstwertgefühl. Sie ist immer da – ob wir wollen oder nicht.

All das sind Facetten unserer Erkrankung. Laut dieser Beschreibung klingt sie ziemlich schrecklich und unangenehm. Auch ich habe die Erkrankung lange aus diesem Blickwinkel betrachtet und mir immer wieder vor Augen gehalten, wie schrecklich das alles ist. Was soll denn schon gut an einer chronischen Erkrankung sein? Da gibt es nun mal nichts Positives – oder vielleicht doch?

Die Antwort lautet: JA! Wie alle Dinge, hat auch die Neurodermitis ihre positiven Seiten – zumindest für mich. Welche Lehren ich bisher aus meiner Erkrankung ziehen durfte, möchte ich euch in diesem Beitrag erzählen.

I am learning to love the sound of my feet walking away from things that are not meant for me

Meine erste große Erfahrung, die ich mit der Neurodermitis machen durfte: Nicht alles, wofür du dich im Leben entscheidest, ist auch ein Leben lang gut für dich. So war es zumindest bei mir. Ich habe mir nach meinem Abitur ein Studium ausgesucht, das mir zu Beginn großen Spaß gemacht hat. Ich war motiviert und ehrgeizig. Auf schlechte Noten wollte ich mich nicht einlassen und so kam es, dass ich mich mehr und mehr hineinsteigerte und vergaß, warum ich das Studium eigentlich begonnen hatte. Ich war erfolgreich, hatte gute Noten und bereits nach meinem ersten Semester wurde mir ein toller Job in einer großen Firma angeboten.

Alles schien perfekt zu sein. Nach außen wirkte es, als hätte ich alles erreicht, was man in meinem Alter erreichen konnte. Doch der Schein war trügerisch. Ohne es zu merken, wurde ich immer unglücklicher. Vor Prüfungen hingen meine Nerven am seidenen Faden. Ich kapselte mich ab, hatte katastrophale Neurodermitis-Schübe und brachte keinen Bissen mehr runter. War das das Beste, was man mit 20 erreichen konnte?

Nein! So konnte das nicht weitergehen. Darum entschied ich mich dazu mein Leben radikal umzukrempeln. Ich habe das Studium pausiert, um von all dem Prüfungsstress und Leistungsdruck Abstand zu gewinnen. Auch den Job in der großen Firma habe ich gekündigt. Mein Hauptstudienfach ist heute Diätologie – darin habe ich mein absolutes Traumstudium gefunden.

Manchmal biegt man im Leben falsch ab. Das gehört dazu und ist vollkommen normal. Wichtig ist nur, dass man sich danach immer wieder darauf einlässt, das Kapitel hinter sich zu lassen und sich auf neue Wege zu begeben.

Wenn es dir schwerfällt, bist du auf dem richtigen Weg

Durch den enormen Schlafmangel wurde meine Haut natürlich immer schlechter. Zusätzlich verschlechterte sich meine Stimmung, was mich zum damaligen Zeitpunkt nicht gerade zur angenehmsten Wegbegleiterin machte. Zum Glück hatte ich damals meinen Freund. Dieser bewegte mich schlussendlich auch dazu endlich damit aufzuhören in Selbstmitleid zu versinken und stattdessen nach einer Lösung für mein eigentliches Schlafproblem zu suchen – ich musste ein Mittel gegen den Juckreiz finden.

Große Veränderungen kosten immer viel Kraft. So war es auch bei mir, als ich mein Erststudium pausiert habe. Oft habe ich mich gefragt, ob es wirklich die richtige Entscheidung war, einen Teil meines alten Lebens hinter mir zu lassen, um mich für das Diätologie-Studium zu bewerben.

In meinem Umfeld konnten nur wenige Personen meine Entscheidung nachvollziehen. Das verunsicherte mich stark. Trotzdem gab es einige Menschen, die absolut hinter mir standen – vor allem meine Eltern und mein Freund unterstützten mich bei meiner Entscheidung.

Feucht, nicht nass!

Dennoch wurden immer wieder Gedanken in mir laut, dass es falsch war den sicheren Weg zu verlassen und mich in die Ungewissheit zu stürzen. Die Gedanken begleiteten mich lange, doch umso weiter der Weg mich führte, umso leiser wurden sie, bis sie schlussendlich ganz verstummten. Mein Bauchgefühl hat mir von Anfang an gesagt, dass es die richtige Entscheidung war. Zum Glück habe ich mich davon nicht abbringen lassen und den Weg weiterverfolgt.

Irgendwann fängt man an genau die Dinge an sich zu mögen, die sonst niemand hat

Das ist eine weitere wichtige Lektion, die mich die Neurodermitis gelehrt hat. Vor allem am Anfang meines ersten großen Schubes (ich war damals 19) habe ich mich oft minderwertig gefühlt, weil meine Krankheit im Gesicht immer sichtbar für andere war. Jeder der Neurodermitis hat, weiß auch, dass man diese Hautkrankheit nicht einfach mit ein bisschen Make-up verstecken kann – im Gegenteil: damit werden die Hautschuppen sogar noch stärker betont.

So kam es, dass mein Selbstwertgefühl nach und nach schrumpfte. Ich fühlte mich unattraktiv und hasste es, mich im Spiegel zu sehen. Andauernd verglich ich mich mit anderen Frauen und beneidete sie um ihre Haut. Das belastete mich.

Irgendwann begann jedoch die Akzeptanz einzusetzen. Jeder Mensch hat sein individuelles Päckchen zu tragen und meines war nun mal meine Neurodermitis. Die Hautschuppen im Gesicht machen keinen besseren oder schlechteren Menschen aus mir – sie machen mich einzigartig.

Der Neurodermitis verdanke ich heute, dass ich viel selbstbewusster bin, als ich es noch vor vier Jahren war. Es hilft enorm die Krankheit als Herausforderung zu sehen – wenn wir sie meistern, gehen wir stärker denn je daraus hervor!

Where focus goes, energy flows

Die wichtigste Lehre aus meiner Erkrankung? Dein Fokus bestimmt, wo deine Energie hinfließt. Zu Beginn habe ich mich sehr stark auf meine Symptome konzentriert. Ich habe oft darüber nachgedacht, in welchen Bereichen mir die Erkrankung Freiheit raubt, die ich davor hatte. Das war der größte Fehler, den ich machen konnte…

Ich begann meinen Fokus auf die Heilung und nicht auf die Symptome zu legen und dachte den ganzen Tag darüber nach, wie es mir wohl gehen würde, wenn ich meine Symptome wieder im Griff habe. Das Visualisieren meines Ziels, brachte mich meinem Traum Tag für Tag näher.

Heute habe ich mein Ziel erreicht! Ich bin nicht symptomlos, und ich bin auch nicht geheilt, aber ich lebe mit meiner Erkrankung und kann mir gar nicht mehr vorstellen, dass es mich auch mal ohne die Neurodermitis gegeben hat. Die Krankheit hat mich zu dem gemacht was ich heute bin und zeigt mir jeden Tag aufs Neue was mich unglücklich macht, wenn ich mal wieder viel zu beschäftigt bin es selbst zu merken. Wir sind ein Team.

Bilder: © Anja Grünauer

MAT-DE-2007298 v1.0 (12/2020)

DIESE BEITRÄGE KÖNNTEN DICH INTERESSIEREN

  • Triggerfaktoren

    Patrick
    Wetterwechsel – Der Herbst ist da

    Von warm zu kalt, von trocken zu nass: Sensible Neurodermitis-Haut reagiert stark auf Umwelteinflüsse

    MEHR ERFAHREN
  • Behandlung

    Patrick
    Patrick beschreibt die Odyssee von Arzt zu Arzt für seine Neurodermitis-Behandlung.

    Ein langer Weg – vom Suchen und Finden des richtigen Dermatologen

    MEHR ERFAHREN
  • Triggerfaktoren

    Medine
    Hot and Cold – Neurodermitis im Winter

    Winter ist die Zeit gemütlicher Abende – es sei denn, man hat Neurodermitis. Medine berichtet, warum Winter für die Haut dann alles andere als gemütlich ist.

    MEHR ERFAHREN
Dermatologen-Finder

FINDE EXPERTEN IN DEINER NÄHE

Dermatologen-Finder

Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) unterstützt Dich dabei, einen Hautarzt in Deiner Nähe zu finden.

ZUR BVDD-HAUTARZTSUCHE
Allergie-Experten-Finder

Über den „Allergie-Wegweiser“ findest Du in Deiner Umgebung Experten, Kliniken und Einrichtungen, die sich auf Allergien, Atemwegs- und Hauterkrankungen spezialisiert haben.

ZUM ALLERGIE-WEGWEISER
Teledermatologie

derma2go ermöglicht Dir einen schnellen Zugang zu Fachärzt/
-innen der Dermatologie. Fülle einen medizinischen Fragebogen aus und erhalte innerhalb weniger Stunden eine zuverlässige Diagnose mit Arztbericht und Therapieplan.

Zum derma2go-Portal

Du verlässt die Website „Leben mit Neurodermitis“

Für den Inhalt der folgenden Seite sowie für sich auf dieser Seite befindlichen Links zu anderen Websites gilt: Es gibt keinerlei Möglichkeit, den Inhalt dieser Seiten zu kontrollieren, da diese völlig unabhängig sind. Aus diesem Grund kann keinerlei Verantwortung für die Inhalte dieser Websites und die Folgen ihrer Verwendung durch die Besucher übernommen werden. Wir bitten Dich aber, uns umgehend auf rechtswidrige Inhalte der verlinkten Seiten aufmerksam zu machen.

Fortsetzen AUF DIESER SEITE BLEIBEN

PATIENTEN LOGIN

Dir wurde zur Behandlung Deiner Neurodermitis eine Therapie von Sanofi Genzyme verordnet? Im Login-Bereich findest Du weitere Informationen zum Produkt und dessen Anwendung. Du kannst Dich mit der Chargennummer (Ch.-B.) auf der Packung des Medikaments hier anmelden.

image
Chargennummer (Ch.-B.) auf der Packung:
LEBEN MIT NEURODERMITIS. INFORMATIONEN FINDEST DU HIER.
Was ist Neurodermitis?

Neurodermitis ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die meist in Schüben auftritt und sich durch sichtbare Hautveränderungen und starken Juckreiz äußert. Betroffene fühlen sich in vielen Lebensbereichen häufig stark eingeschränkt.

Was sind die genauen Ursachen und Symptome der Neurodermitis (atopische Dermatitis) und was können mögliche Auslöser sein?

Juckreiz, Kratzen, Schlaflosigkeit – für Betroffene mit schweren Symptomen dreht sich jeder Tag darum, wie sie ihr Leiden lindern können. Jeder Schub belastet Betroffene auf körperlicher und mentaler Ebene. Beruf und Alltagsleben können oft nur eingeschränkt bewältigt werden. Es ist daher für Betroffene sehr wichtig, persönliche Strategien zum Umgang mit der Erkrankung zu entwickeln.

Neurodermitis kennenlernen

Wer seine Haut kennt, Routine in der Behandlung und Pflege entwickelt und auf seine persönlichen Bedürfnisse achtet, tut bereits viel dafür, um die Neurodermitis zu kontrollieren. Unsere Lernmodule unterstützen Dich dabei, Dein Leben mit Neurodermitis aktiv zu gestalten.

Behandlungsmöglichkeiten

Neurodermitis kann heute mit modernen Therapien gezielt behandelt werden. Eine individuelle Behandlung ist oft der erste Schritt hin zu mehr Selbstwertgefühl.

Neurodermitis-Blogger

Was im Alltagsleben mit Neurodermitis wirklich hilft und wichtig ist, wissen sie am besten – unsere Blogger. Auf der Website „Leben mit Neurodermitis“ erfährst Du, was andere Betroffene erlebt haben, was sie im Leben mit Neurodermitis gelernt haben und was ihnen Mut macht. Gestalte auch Dein Leben – trotz Neurodermitis.

Die hier zur Verfügung gestellten medizinischen Informationen dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken. Bei allen Fragen zu Deiner Erkrankung wende Dich bitte an Deine/n Dermatolog/-in.