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Laura

KW 46, 12.11.20

Neurodermitis im Alltag

Teufelskreis Kratzen – Der ständige Kampf gegen den Juckreiz

Da ist es wieder, das Kribbeln auf der Haut. Erst ganz leicht und dann wird es immer stärker. In Gedanken sage ich mir: „Es ist doch gar nicht so schlimm, ich muss nicht kratzen!“ Und doch wird es so schlimm, dass ich den Pullover hochziehe und kratze. Jetzt ist der Juckreiz vorbei. Zum Glück hat niemand gesehen, wie ich mir die Ellenbogen blutig gekratzt habe. Das schlechte Gewissen nagt an mir. Ich war wieder zu schwach, um gegen den Juckreiz anzukämpfen. Früher habe ich gekratzt, bis es blutete. Ich habe nicht mal versucht es zu stoppen. Warum auch? Nachdem die Haut kaputt war, verzog sich auch das nervige Jucken. Schmerzen habe ich dabei auch nicht verspürt. Heute weiß ich, dass ich ganz viel Glück hatte, keine Infektion zu bekommen. Außerdem war das Kratzen meistens reflexartig. In diesen Momenten habe ich selbst nicht mitbekommen, wie ich meine Haut misshandelte. Deshalb war ich teilweise überrascht, als mich Leute baten mit dem Kratzen aufzuhören.

Tanz der Vampire

Es gibt aber auch eine lustige Anekdote zu dem Thema. Mit etwa 19 Jahren war meine Neurodermitis nicht besonders stark ausgeprägt. Die Stellen befanden sich überwiegend an Hals und Armbeugen. An einem Freitagabend stand ich mit meinen Freunden in der Schlange zur Disco. Nun war ich an der Reihe, der Türsteher wollte meinen Ausweis sehen. Ich gab ihm den Ausweis und er fragte mich mit ernster Stimme: „Hat dich da ein Vampir gekratzt?“ Ich wusste gar nicht, wovon er spricht, bis er grinsend auf meinen Hals deutete. Es wurde noch ein sehr lustiger Abend, doch das Gespräch werde ich nie vergessen. Er meinte es damals nur lustig, und in dem Moment fand ich es auch lustig. Trotzdem wollte ich nach diesem Abend nie wieder blutige Haut haben. Geschafft habe ich das nicht, aber gebe mir immer wieder Mühe.

Teufelskreis Kratzen – Ein Erkenntnisprozess

Die letzten Jahre habe ich viel über das Kratzen gelernt. Warum kratze ich? Warum mal mehr und mal weniger? Und das Wichtigste: Was hilft gegen den Juckreiz? Das erste was ich bewusst wahrnahm ist, dass es wirklich ein Kreislauf ist. Ich kratzte, es blutet, es heilt, es juckt und ich kratzte wieder. Als ich das erkannte, wollte ich diesen Kreislauf stoppen. Ich sagte mir: „Es juckt doch gar nicht, ich werde es schaffen, nicht zu kratzen.“ Bis heute funktioniert das mal mehr und mal weniger gut. Aber ich versuche jedes Mal erneut nicht zu kratzen. Und wenn ich dann doch wieder gekratzt habe, versuche ich nicht so hart zu mir selbst zu sein. Ich denke, viele Außenstehende sehen nur wie ich mich kratze. Was sie nicht sehen können ist aber, wie oft ich nicht gekratzt habe. Was es für ein harter, innerlicher Kampf ist, den man ständig gegen seinen eigenen Körper führt. Ich habe festgestellt, dass der Juckreiz bei mir am stärksten ist, je mehr Zucker ich gegessen habe. Besonders vor dem Schlafengehen löst dies einen Juckreiz aus, der mich deutlich schlechter schlafen lässt. Deswegen habe ich meinen Zuckerkonsum reduziert. Auch Hitze fördert meinen Juckreiz. Besonders im Sommer ist es für mich wichtig, an einem kühlen Platz zu schlafen.

Was mir geholfen hat – 8 Tipps gegen Juckreiz

  1. Kurze Fingernägel: Die Nägel sind so kurz, dass ich keine Fingernägel sehe, wenn ich in meine Handinnenfläche schaue. Dadurch ergeben sich zwei Vorteile: Mit kurzen Nägeln lässt es sich schwer kratzen. Aber auch die Reinigung ist leichter und gründlicher, sodass sich keine Bakterien unter den Nägeln festsetzen können. Das verhindert Infektionen, wenn der Juckreiz doch wieder gewonnen hat.
  2. Regelmäßiges eincremen: Eine dauerhafte Basispflege sorgt dafür, dass die Haut geschmeidig bleibt und neue Ekzeme gar nicht erst entstehen.
  3. Gekühlte Hautcreme: Besonders im Sommer lege ich meine Creme in den Kühlschrank. Beim Anwenden sorgt die Kühle für extra Linderung des Juckreizes.
  4. Ein Coolpack im Gefrierfach: Wenn mein Juckreiz stärker wird, kühle ich die Stelle zusätzlich mit einem Coolpack.
  5. Ablenkung: Damit ich gerade unterbewusstes Kratzen verhindere, beschäftige ich meine Finger. Oft hat es eigentlich gar nicht gejuckt, aber weil ich trockene Hautschuppen abgekratzt habe, fing der Juckreiz wieder an. Sollte der Juckreiz schon da sein, kann ein Tanz durch die Küche gut ablenken.
  6. Alles nur nicht Kratzen: Alternativen zum Kratzen sind Klopfen, Streichen oder Zwicken der Haut.
  7. Abendritual Eincremen: Ich habe mir angewöhnt meine Haut kurz vor dem Schlafengehen noch einmal einzucremen. Dadurch kann ich länger schlafen, ohne dass die Haut wieder trocken wird. Ich muss auch nachts nicht so häufig aufstehen und meine Haut eincremen. Meine Feuchtigkeitscreme bewahre ich auf dem Nachttisch auf, damit ich mich im Notfall gleich eincremen kann. Habe ich doch zu viel gekratzt, verwende ich anstatt von Gel eine Salbe. Sie kühlt und brennt meistens nicht in den Wunden. Beim Eincremen mit einem Gel gleitet man meistens nur über die Haut, anstatt sie zu berühren. Zusätzlich bildet Gel einen dünnen Schutzfilm. Nach dem Auftragen sollte man etwas warten und im Anschluss eine pflegende Creme verwenden.
  8. Auslöser vermeiden: Da mein Juckreiz besonders durch Zucker gefördert wird, vermeide ich zu hohen Konsum.

MAT-DE-2004186 v1.0 (11/2020)

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Was ist Neurodermitis?

Neurodermitis ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die meist in Schüben auftritt und sich durch sichtbare Hautveränderungen und starken Juckreiz äußert. Betroffene fühlen sich in vielen Lebensbereichen häufig stark eingeschränkt.

Was sind die genauen Ursachen und Symptome der Neurodermitis (atopische Dermatitis) und was können mögliche Auslöser sein?

Juckreiz, Kratzen, Schlaflosigkeit – für Betroffene mit schweren Symptomen dreht sich jeder Tag darum, wie sie ihr Leiden lindern können. Jeder Schub belastet Betroffene auf körperlicher und mentaler Ebene. Beruf und Alltagsleben können oft nur eingeschränkt bewältigt werden. Es ist daher für Betroffene sehr wichtig, persönliche Strategien zum Umgang mit der Erkrankung zu entwickeln.

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