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Aylin

KW 20, 20.05.21

Neurodermitis im Alltag

Neurodermitis in einer frischen Beziehung – So hat er mich noch nie gesehen

„Wie geht dein Freund eigentlich damit um?“ Diese Frage wird mir häufig in Zusammenhang mit meiner Neurodermitis-Erkrankung gestellt. Sie suggeriert mir, dass meine Hauterkrankung für mein Umfeld belastbar sein kann und einen besonderen Umgang erfordert. Dem würde ich nicht widersprechen, aber: Wie hoch ist die Belastung wirklich? Wenn ich an meine Beziehung denke, dann weiß ich, dass mein Freund mit mir leidet, wenn mich der Juckreiz mal wieder überkommt. Dennoch gibt er mir nie das Gefühl, dass meine Neurodermitis-Erkrankung ein Problem zwischen uns sein könnte. Er nimmt mich mit all meinen Makeln, auch wenn diese nicht dem klassischen Schönheitsideal entsprechen. In unserer Kennenlernphase war allerdings noch alles in Ordnung.

Es war Sommer und das Einzige, was in dieser Zeit auf eine Neurodermitis-Erkrankung hingewiesen hat, war lediglich ein kleines Ekzem am Oberarm. Das ist ihm in der Anfangszeit gar nicht aufgefallen.

Erst nach einigen Wochen bemerkte er: „Oh, du hast da ein bisschen trockene Haut.“

Ich war erleichtert, als er es ansprach. Nun konnte ich ihm von meiner Hauterkrankung erzählen. Gleichzeitig wusste ich aber auch, dass er etwas von mir erfahren würde, was mich verletzlich macht und mich in den kälteren Monaten in einem größeren Ausmaß wieder einholen könnte. Dieses Ausmaß konnte er zu der Zeit jedoch noch nicht sehen. Und somit blieb meine Neurodermitis-Erkrankung also zunächst unsichtbar.

Der erste Schub und seine Reaktion darauf

Zu Beginn der Beziehung ging es mir außerordentlich gut. Mein Gemütszustand wirkte sich auch auf meine Haut aus – sie blieb frei von Ekzemen. Selbst als der Sommer langsam endete, blieb meine Haut erstaunlicherweise stabil. Ab einem gewissen Zeitpunkt prasselten dann viele neue Termine auf mich ein. Da gab es nicht mehr nur meinen Freund und mich, sondern plötzlich auch neue Menschen, die mich oder meinen Partner kennenlernen wollten. Es folgten Familiengeburtstage, Geburtstage von Freunden und viele abendliche Verabredungen. Mein Terminkalender füllte sich – und mit jedem neuen Termin verlor ich Zeit, die ich für mich selbst gebraucht hätte. Dieses signalisierte mir meine Haut ca. zwei Monate nachdem unsere Beziehung begann. Es tauchten kreisrunde, juckende Ekzeme auf den Unterarmen auf, die sich dann über die gesamten Arme bis hin zum Schulter- und Achselbereich ausbreiteten. Es kamen zudem Stellen hinzu, die vorher nie betroffen waren. Dazu zählte der Hals sowie die Ober- und Unterschenkel. Schnell fühlte ich mich sehr unwohl und obwohl ich in der Zwischenzeit schon ein großes Vertrauen zu meinem Partner entwickelt hatte, wollte ich diese Belastung vorerst mit mir selbst aushandeln. Aber da es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich war, die Krankheit zu verstecken, wurde mein Freund sehr schnell darauf aufmerksam. Von seinen ersten Eindrücken erzählt er im folgenden Interview:

Aylin: „Über die schlagartige Veränderung meines Hautbildes warst du augenscheinlich sehr überrascht. Was waren deine ersten Gedanken zu meiner Neurodermitis-Erkrankung?“

Daniel: „Im ersten Moment war ich ziemlich geschockt, weil ich nicht gedacht habe, dass die Krankheit ein solches Ausmaß annehmen kann. Ich wusste zwar, dass du an Neurodermitis leidest, aber einen derartigen Ausbruch habe ich nicht erwartet. Die Ekzeme haben mich im ersten Moment an Verbrennungen erinnert. Dennoch sah es nie abschreckend für mich aus. Ich habe mich lediglich gefragt, wie man damit umgehen muss und ob ich dich berühren darf. Da ich zu dem Zeitpunkt nicht viel über diese Hauterkrankung wusste, war ich zunächst verunsichert.“

Aylin: „Wir mussten somit beide einen neuen Umgang miteinander erlernen. Ich bin der Meinung, dass wir das gut gemeistert haben. Wie stark beeinflusst die Neurodermitis heute unser gemeinsames Zusammenleben?“

Daniel: „Unser gemeinsames Zusammenleben wird dadurch kaum beeinflusst. Das Einzige, was ich nach wie vor bemerke, ist das starke Kratzen. Die Geräusche, die dabei entstehen, erwecken den Eindruck, als würdest du dir damit selbst weh tun. Weil ich nicht möchte, dass du dich verletzt, bitte ich dich deshalb immer wieder darum, das Kratzen zu unterlassen – auch wenn du diesen Satz wahrscheinlich nicht mehr hören kannst (lacht). Darüber hinaus verbringst du natürlich mehr Zeit im Bad, um deine Haut zu pflegen. Aber das bewegt sich für mich immer noch in einem normalen Rahmen. Da der Juckreiz durch Körperwärme gefördert wird, kannst du nachts manchmal nicht bei mir liegen. Aber auch das ist für mich absolut nachvollziehbar.“

Aylin: „In welchen Dingen versuchst du mich außerdem noch zu unterstützen?“

Daniel: „Ich versuche dich bei deiner Ernährungsumstellung zu unterstützen und kläre mein Umfeld darüber auf, dass du dich bei Feierlichkeiten bei Süßigkeiten und alkoholischen Getränken zurückhältst. Außerdem versuche ich dich zu beruhigen, wenn du in Stress gerätst. Grundsätzlich gebe ich mir Mühe, Stresssituationen zu vermeiden und gebe dir dafür auch gerne mal Zeit für dich selbst.“

Aylin: „Danke für das Interview und deine Offenheit!“

Abschließend kann ich sagen, dass ich meinem Freund sehr dankbar für sein Verständnis und seine Unterstützung bin. Er hilft mir dabei, die Krankheit zu akzeptieren, und stärkt mich, wenn es mir mal nicht gelingt. Ich hoffe, dass andere Betroffene gleiches erfahren und sich nicht entmutigen lassen.

MAT-DE-2101851-1.0-04/2021

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Was ist Neurodermitis?

Neurodermitis ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die meist in Schüben auftritt und sich durch sichtbare Hautveränderungen und starken Juckreiz äußert. Betroffene fühlen sich in vielen Lebensbereichen häufig stark eingeschränkt.

Was sind die genauen Ursachen und Symptome der Neurodermitis (atopische Dermatitis) und was können mögliche Auslöser sein?

Juckreiz, Kratzen, Schlaflosigkeit – für Betroffene mit schweren Symptomen dreht sich jeder Tag darum, wie sie ihr Leiden lindern können. Jeder Schub belastet Betroffene auf körperlicher und mentaler Ebene. Beruf und Alltagsleben können oft nur eingeschränkt bewältigt werden. Es ist daher für Betroffene sehr wichtig, persönliche Strategien zum Umgang mit der Erkrankung zu entwickeln.

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