Berufsträume als Kind – und die Realität mit Neurodermitis
Als Kind träumt man gerne davon, was man später mal werden möchte. Einige Kinder träumen davon, zur Feuerwehr zu gehen, Pilot oder Stewardess zu werden, andere möchten Haarstylisten werden. Für Betroffene von Neurodermitis – so auch für mich – ist der Weg ins Berufsleben allerdings nicht immer ganz einfach. Bei einigen der genannten Berufe spielt die Haut nämlich eine erhebliche Rolle. Kommt sie zum Beispiel häufig in Kontakt mit Wasser, kann sie zusätzlich gereizt werden und es können Hautprobleme entstehen. Gleiches spielt für einige Tätigkeiten in der Chemie- oder Biologiebranche eine Rolle oder auch in Berufen, bei denen eine regelmäßige Handdesinfektion notwendig ist –
zum Beispiel im Gesundheitswesen. Die Frage, welchen Beruf ich mit Neurodermitis gut ausüben kann, hat mich daher schon in jungen Jahren beschäftigt.
Mit Neurodermitis aufwachsen: Schulbelastung und Einfluss auf den Berufsweg
Bereits im Alter von drei Jahren wurde bei mir Neurodermitis festgestellt. Ich war damals von starken Symptomen wie Juckreiz und Ekzemen betroffen. Meine Eltern mussten ständig mit mir zum Arzt. Nie wusste ich, welche Körperstellen als nächstes betroffen sein würden und wie die Haut aussehen würde. Als Kind und Jugendliche hat mich das sehr belastet, vor allem in der Schule. Ich wollte nicht, dass andere meine Neurodermitis sehen, weil ich mich für meine Haut geschämt habe. Ich habe versucht, die Stellen mit langer Kleidung oder Schals zu verstecken – sogar im Sommer. Da ich auch oft mit Ekzemen an den Händen zu kämpfen hatte, war es für mich schon früh wichtig, meine Hände vor Kälte zu schützen und häufigen Wasserkontakt zu vermeiden. Als ich älter wurde und mir konkrete Gedanken zur Berufswahl machen musste, haben die Erfahrungen aus meiner Kindheit und Jugend eine wichtige Rolle gespielt.
Prüfungsstress und Schamgefühle: Hürden auf meinem Weg ins Berufsleben
Die Neurodermitis war also ein Faktor, der meine Berufswahl beeinflusst hat – auch wenn sie nicht der alleinige Grund war, so war sie doch ein entscheidender. Ich habe mich schlussendlich für einen Job im Büro entschieden – denn die typischen Bürotätigkeiten und das Berufsumfeld lassen sich weitestgehend mit der Hauterkrankung vereinbaren. Ich habe einen Beruf gefunden, der mir Spaß macht, aber ich habe auch auf diesem Wege einige Schwierigkeiten und Hürden überwinden müssen.
Im Studium, zum Beispiel während der Klausurenphase, trug neben den äußeren Faktoren auch meine Psyche – durch Stress und Anspannung – dazu bei, dass sich meine Haut verschlechterte. In diesen Phasen war ich viel zu Hause, denn dort hatte ich das Gefühl, mich uneingeschränkt zeigen zu können, ohne mich dabei unwohl zu fühlen. Fielen in dieser Zeit allerdings Schul- oder Vorlesungsstunden an, hatte ich mit starken Schamgefühlen zu kämpfen. Mich in der Öffentlichkeit zu zeigen, bereitete mir Bauchschmerzen. Oft waren beim Schreiben meine Hände sichtbar, welche häufig sehr trocken, rissig oder nässend waren. Auch im Gesicht, vor allem um den Mund herum, konnte man die Auswirkungen der Neurodermitis erkennen. Gespräche habe ich deshalb meist sehr kurzgehalten und wollte möglichst schnell weg aus der Situation. Heute weiß ich: meine Neurodermitis definiert mich nicht und meine Haut ist kein Grund, mich zu schämen. Doch damals hatte ich noch Schwierigkeiten, selbstbewusst mit der Neurodermitis umzugehen.
Herausforderungen im Berufsalltag mit Neurodermitis und wie ich ihnen begegne
Im Berufsleben angekommen, befand ich mich nun etliche Male in solchen unangenehmen Situationen, und hier war es nicht einfach möglich, zuhause zu bleiben oder wegzugehen. Es fielen Einarbeitungsstunden mit Kollegen an, Präsentationen mussten gehalten werden, Meetings fanden statt. Alles Dinge, die nicht verschoben werden konnten.
Also musste ich mich der Herausforderung stellen: mich mit Stärke zeigen und zu meiner Erkrankung stehen. Ich habe oft Blicke wahrnehmen können, die auf meine Mundpartie wanderten, weil sich dort die Neurodermitis breit gemacht hatte, während ich in die Augen meines Gegenübers sah. Heute weiß ich, wie ich selbstbewusst damit umgehe und die Aufmerksamkeit wieder auf mich lenke, indem ich Fragen stelle oder meinen Kopf kurz bewege, um eine neue Ausrichtung der Augen des Gegenübers herbeizuführen. Spätestens dann wird dem Gegenüber meist bewusst, dass er den Fokus auf meine Augen richten sollte. In manchen Situationen fand ich sogar auch den Mut, zu fragen, ob ich etwas im Gesicht habe. Dies sorgte zwar für ein Gefühl des Ertappt-Werdens bei meinem Gegenüber, ich fühlte mich aber befreit. Denn der Versuch, an eine andere Stelle als in meine Augen zu schauen, kam nicht mehr vor. So konnte ich mir mit der Zeit im Alltag einige kleinere Taktiken angewöhnen, die mir in solchen unangenehmen Situationen helfen.
Meine Tipps für einen selbstbewussten Umgang mit Neurodermitis im Beruf
- Das eigene Selbstbewusstsein gezielt stärken, um im Alltag und im Berufsleben sicherer aufzutreten und sich nicht über Hautveränderungen zu definieren. Dabei können bewusstes Reflektieren der eigenen Stärken, positive Selbstgespräche sowie das Setzen realistischer Erwartungen an sich selbst helfen. Auch der Austausch mit vertrauten Personen oder anderen Betroffenen kann dazu beitragen, mehr innere Sicherheit zu gewinnen und sich unabhängiger von äußeren Bewertungen zu fühlen.
- In unangenehmen oder verunsichernden Situationen aktiv das Gespräch suchen, etwa durch bewusstes Ansprechen des Gegenübers oder das Stellen offener Gegenfragen. Dies lenkt den Fokus weg von der Haut und hin zur Kommunikation und erleichtert gleichzeitig einen natürlichen Augenkontakt.
- Von Neurodermitis betroffene Hautstellen regelmäßig und bewusst pflegen, auch in kurzen Pausen zwischendurch – beispielsweise zwischen Meetings. Eine kontinuierliche Pflege kann das Hautgefühl verbessern und gibt zusätzlich das gute Gefühl, aktiv etwas für sich selbst zu tun.
Wenn Dich das Thema interessiert, kannst Du in meinem Blogbeitrag
„Erfahrung mit Neurodermitis im Gesicht: Zwischen Stigmatisierung und Selbstakzeptanz“ noch mehr dazu lesen.
Welcher Beruf ist der richtige für mich?
Die Frage, welchen Beruf ich mit Neurodermitis gut ausüben kann, hat mich schon in jungen Jahren beschäftigt.
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