Liebe, Haut und schlaflose Kratz-Nächte: Meine Partnerschaft mit Neurodermitis
Das erste Verliebtsein, Schmetterlinge im Bauch und ... die Angst vor dem nächsten Schub. Wenn eine chronische Hauterkrankung mit in eine neue Beziehung einzieht, kann das für beide Seiten eine emotionale Achterbahnfahrt sein.
Heute, nach fast zehn Jahren Beziehung, blicken mein Mann Philipp und ich zurück auf die Anfänge. Eine Zeit, die geprägt war von Ekzemen, psychischer Belastung und der Frage: Hält eine junge Liebe diesem Druck stand? Hier ist unser ganz persönlicher Erfahrungsbericht über unsere Beziehung mit Neurodermitis.
Name: Anja
Geboren: 1998
Schreibt über: Ernährung und Erfahrung mit Neurodermitis
Liebe, Haut und schlaflose Kratz-Nächte: Meine Partnerschaft mit Neurodermitis
Name: Anja
Geboren: 1998
Schreibt über: Ernährung und Erfahrung mit Neurodermitis
Das erste Verliebtsein, Schmetterlinge im Bauch und ... die Angst vor dem nächsten Schub. Wenn eine chronische Hauterkrankung mit in eine neue Beziehung einzieht, kann das für beide Seiten eine emotionale Achterbahnfahrt sein.
Heute, nach fast zehn Jahren Beziehung, blicken mein Mann Philipp und ich zurück auf die Anfänge. Eine Zeit, die geprägt war von Ekzemen, psychischer Belastung und der Frage: Hält eine junge Liebe diesem Druck stand? Hier ist unser ganz persönlicher Erfahrungsbericht über unsere Beziehung mit Neurodermitis.
Die Anfänge unserer Beziehung: Verliebtsein trifft auf Juckreiz
Anja: Wenn Du an unsere erste Zeit zurückdenkst – wie hast Du meine Neurodermitis damals wahrgenommen? Ich weiß noch, dass es mir große Angst gemacht hat, wie sich meine Erkrankung auf unsere Beziehung auswirken würde. Gerade in der ersten Zeit versucht man sich ja auch von seiner besten Seite zu zeigen. Man will seine Makel verstecken, das konnte ich wegen der starken Schübe oft gar nicht.
Philipp: Für mich warst in erster Linie Du da – eine tolle Frau, in die ich frisch verliebt war. Aber natürlich habe ich schnell gemerkt, welche Auswirkungen die Erkrankung auf Deinen Alltag hatte. Ich wusste ja, dass Du mit Neurodermitis zu kämpfen hattest, aber mir war davor nicht klar, wie stark sie sich auf Deine psychische Gesundheit und Deine Selbstwahrnehmung auswirkte.
Anja: Stimmt. Mein Selbstwertgefühl war damals im Keller. Ich hatte Angst, mich von meiner verwundbarsten Seite zu zeigen, und habe gerade zu Beginn häufiger Abstand gehalten, wenn ich Dich nicht zu sehr damit belasten wollte.
Philipp: Ich musste lernen, dass Deine Ablehnung von Nähe nichts mit mir zu tun hatte, sondern mit den Schmerzen und Deinem Hautzustand. Man darf die Zurückweisung nicht persönlich nehmen. Liebe bedeutet in dem Fall, den Druck rauszunehmen.
Die größte Belastungsprobe: Schlafmangel und Lebenskrise
Anja: Die größte Herausforderung war für uns ja nicht nur die Haut an sich, sondern die Auswirkungen auf meine Psyche. Durch den extremen Juckreiz und den chronischen Schlafmangel war ich psychisch oft am Ende. Das ging so weit, dass ich damals meinen Job und mein Studium gewechselt habe. Wie hast Du diese Phase erlebt?
Philipp: Das war hart. Zu sehen, wie der Mensch, den man liebt, leidet und man selbst nicht helfen kann, ist eine der größten Herausforderungen. Die Psyche leidet extrem unter dem Schlafmangel. Als Partner fühlt man sich oft hilflos. Man steht daneben, sieht die blutigen Laken am Morgen und weiß, dass keine Creme der Welt das Problem sofort löst. Da wird aus dem leichten Verliebtsein ganz schnell tiefe, ernste Partnerschaft.
Anja: Gab es Momente, in denen Du Dir mehr Leichtigkeit oder eine gesunde Partnerin gewünscht hättest?
Philipp: Natürlich gab es die, wobei ich betonen möchte, dass ich mir keine gesunde Partnerin, sondern eine gesunde Anja gewünscht hätte! Gemeinsam haben wir im Laufe der Jahre aber für uns definiert, dass die Erkrankung ein Teil unserer Beziehung ist, aber nicht unsere ganze Beziehung bestimmt. Wir haben viel darüber gesprochen.
Mein Tipp als Partner: Man muss die Hilflosigkeit annehmen können und einfach DA SEIN. Den Rücken kraulen, statt zu sagen „Hör auf zu kratzen“ – das hilft mehr als jeder gute Ratschlag.
Partnerschaft mit Neurodermitis: Was wir gelernt haben
Anja: Heute sind wir fast zehn Jahre zusammen. Unsere Erfahrungen zeigen, dass man an Herausforderungen wachsen kann. Wenn Du heute Paaren am Anfang ihres gemeinsamen Weges einen Rat geben könntest, welcher wäre das?
Philipp: Mein wichtigster Tipp für eine neue Partnerschaft mit Neurodermitis: Redet offen über Eure Bedürfnisse und Ängste. Und an die Partnerinnen und Partner: Informiert Euch! Geht vielleicht mal mit zum Dermatologen oder zur Dermatologin, um die Erkrankung besser zu verstehen, oder erkundigt Euch, wie Ihr am besten unterstützen könnt. Neurodermitis ist in der Beziehung Teamarbeit.
Unsere Tipps für den Umgang mit Neurodermitis in einer (frischen) Beziehung:
- Kommunikation schlägt Scham: Sag Deinem Partner / Deiner Partnerin, was Dir guttut und was weniger hilfreich ist.
- Keine ungebetenen Ratschläge: Sätze wie „Du musst Dich nur weniger stressen“ helfen der Psyche nicht. Lieber fragen: „Wie kann ich Dich gerade unterstützen?“
- Schlaf priorisieren: Wenn die Nächte durch Juckreiz unruhig werden, sind getrennte Betten für eine Nacht kein Beziehungs-Aus, sondern Selbstschutz für beide.
Unser Fazit:
Eine chronische Hauterkrankung fordert eine junge Liebe heraus, ja. Aber sie hat uns auch unheimlich schnell zusammengeschweißt. Heute wissen wir: Unsere Liebe ist stärker als jeder Neurodermitis-Schub!