Triggerfaktoren

Die eigene Vergangenheit – ein geduldiger und stummer Begleiter. Bis wir hinschauen.

Julia Vorderwisch-Sonntag
KW 42, 30.10. (Freitag)

Hallo!
Ich bin Julia Vorderwisch-Sonntag

Neurodermitis trat bei mir erstmals im Alter von 13 Jahren auf. Seitdem habe ich eine Vielzahl von Cremes getestet.

Kompletten Steckbrief lesen

Ich bin ein perfektionistischer Mensch. Aber warum bin ich so wie ich bin? Und warum ist man zu der Person geworden, die man ist? Wie viel beeinflussen uns Erfahrungen und Situationen und was bewirken sie auf lange Sicht? Diese Fragen kamen bei mir auf, als unsere Tochter ca. 9 Monate alt war. Vielleicht auch etwas früher. Ich weiß es nicht mehr genau. Auf jeden Fall war es der Beginn der Phase, als sie langsam verstand, was sie tut und was es für Konsequenzen hat. Egal ob es ein voller Löffel war, der durchs Zimmer flog, ein Wutanfall, der im Endeffekt trotzdem nicht das bewirkt hat was sie wollte oder ob es irgendwann Entwicklungen waren, wo wir platzten vor Stolz und ihr das natürlich mit aller Liebe, die ein Mensch für ein solch kleines Wesen empfinden kann, zeigten und sagten.

Ich fragte mich von da an, was es mit ihr machen würde, wenn wir so handeln wie wir es tun oder eben anders. Wie beeinflussen sie Erfahrungen, die sie macht, für ihr späteres Leben? Wenn wir Ordnung vorleben, wird sie irgendwann genau das Gegenteil tun, weil sie es satthat? Wenn wir ihr ein ruhiges Zuhause als Rückzugsort geben, wird sie irgendwann rebellisch und „bricht“ aus dieser Ruhe aus? Oder nimmt sie die Erfahrungen positiv an und lebt sie später genauso?

Ja, ich weiß ... erstes Kind und so ... 1.000 Gedanken, 1.000 Fragen und noch mehr Zweifel. Und inzwischen bin ich so dankbar dafür, dass ich mir all diese Fragen gestellt habe! Denn ich habe in dem Zuge meine eigene Vergangenheit beleuchtet. Ich bin weit zurück in meine Kindheit und Jugend gegangen und habe versucht Dinge zu verstehen, die ich bisher immer als gegeben hingenommen habe.

Warum bin ich, wie ich bin?

Und damit komme ich zurück zur Anfangsfrage: Warum bin ich so wie ich bin? Warum bin ich so perfektionistisch veranlagt und habe einen gewissen Kontrolldrang? Welche Situationen haben bewirkt, dass ich mich so entwickelt habe? Wenn ich früher das Wort „Kontrolle“ gehört habe, dachte ich im ersten Moment an Manipulation. Das ist es aber zum Glück nicht. Da gibt es ja viele Abstufungen. Es geht eher in die Richtung, dass ich jemand bin, der seine eigene Vorstellung von Dingen hat und diese auch gerne so und nicht anders umgesetzt hätte. Das war als Kind schon so. Wenn etwas an meinem eigenen Kindergeburtstag nicht so lief, wie ich es mir vorgestellt hatte, war ich angefressen. Bis zum Schluss. Da war ich 5. Entsprechend habe ich Dinge in meinem späteren Leben einfach „schnell“ selbst erledigt, damit es am Ende auch so war wie ich es mir wünschte ... aber gar nicht in dem Bewusstsein, dass es dabei eigentlich um mich geht, sondern eher mit dem Gedanken, dass die anderen es dann einfacher haben und am Ende alle zufrieden sind. Mich eingeschlossen. Klingt ja eigentlich ganz fair.

Aber was hat es am Ende bedeutet? Im Job bedeutete es, dass ich als „Eierlegendewollmilchsau“ die perfekte Angestellte war. Immer da, hilfsbereit, harmoniebedürftig, perfekt organisiert mit einem hohen Anspruch an die eigene Arbeit. Privat bedeutete es das Gefühl von „nie Zeit haben“. Der Tag hätte 48 Stunden haben können und es wäre vermutlich immer noch nicht genug gewesen. Ständig unter Strom stehen, die Bude blitzblank haben, vor allem wenn Besuch kommt, immer an alles denken, für jede Eventualität unterwegs vorbereitet und eine gute Freundin sein, die immer für alle jederzeit da ist. Bis es dann irgendwann nicht mehr ging und mein Körper mir signalisierte, dass dringend was passieren muss.

Frühe Verantwortung prägte mich

Ich habe bereits mit 12 Jahren viel Verantwortung durch die Trennung meiner Eltern übernommen. Inzwischen weiß ich, dass dies ein großer Punkt ist, der mich und meine Entwicklung beeinflusst hat. Obwohl ich es nie so empfunden habe. Alles hat seine positiven und negativen Seiten. Was haben alle „Oh“ und „Ah“ gesagt, dass ich mit 12 Jahren den gesamten Monatseinkauf machen konnte und genau wusste, was wir noch im Haus haben. Wäsche waschen, mittags selbst mein Essen kochen, Hund versorgen, vernünftig sein ... Ein schönes Gefühl, all diese positive Aufmerksamkeit zu haben. Und meiner Meinung nach einer der Ursprünge meines Perfektionismus. Mach es selbst, dann ist es gut genug und so wie du es möchtest.

Perfektionismus und Hektik im Alltag haben meine Neurodermitis verstärkt

Warum erzähle ich das alles, wo dieser Blog doch von Neurodermitis handelt? Weil alles eine Ursache hat. In der ganzheitlichen Sichtweise des Körpers heißt es:

  • Schnupfen = Nase voll von etwas haben
  • Halsschmerzen = etwas nicht schlucken wollen oder die Kommunikation mit jemandem verweigern
  • Kopfschmerzen = sich über etwas den Kopf zerbrechen
  • Ohrenschmerzen = etwas nicht mehr hören wollen

Ich habe es lange belächelt und jetzt merke ich, dass doch was dran ist. Ich kann inzwischen tatsächlich spüren, wie meine Kiefer sich verkrampfen, es bis in die Ohren hochzieht und mein Hals anfängt zu kratzen, wenn ich mich über etwas ärgere und es nicht aus- oder anspreche. Innerhalb von Minuten.

Das KANN die Ursache sein. Muss es aber nicht. Es gibt auch noch Viren und Bakterien sowie organische oder veranlagte Ursachen. Natürlich. Ich habe jedoch festgestellt, dass es bei mir oft tatsächlich einen Ursprung hat, der erst kurze Zeit vergangen ist, und die Symptome wieder verfliegen, wenn ich es auflöse. Das klingt nun so als ob ich des Rätsels Lösung gefunden hätte und mich (oh Wunder) mit der Macht meiner Gedanken in Bezug auf meine Vergangenheit selbst geheilt habe und keine Neurodermitis mehr habe. Das ist leider nicht der Fall. Aber ich habe in diesem Zusammenhang etwas tiefer in meiner Vergangenheit gegraben und einige positive Erfahrungen dadurch sammeln können. Über Neurodermitis sagt die ganzheitliche Sichtweise unter anderem, dass der Ursprung „Auflehnung gegen die Eltern“ sei. Und witziger Weise kam meine Neurodermitis ungefähr zu der Zeit, nachdem sich meine Eltern damals getrennt haben. Hm. Das gab mir schon zu denken. Es bedeutet aber nicht nur einfach gegen die Eltern zu sein. Sondern auch in weiterem Sinne die Kontrolle, die von Eltern ausgeht, die Einschränkung der Freiheiten, die man durch die Erziehung der Eltern vielleicht hat. Womit wir wieder bei meinem Kontrollthema wären.

Ein Nein bleibt ein Nein – oder nicht?

Es gab einen Moment in einem Workshop, den ich vor ein paar Jahren besucht habe. Es ging um Erziehung und so. Das Thema war „Ein Nein bleibt ein Nein.“ Unsere Tochter entdeckte damals das Rumpelstilzchen in sich und bekam einen Wutanfall, sobald sie „Nein“ hörte. Das brachte uns schnell an Grenzen und ich fragte mich, wie das wohl in ein paar Jahren aussehen sollte, wenn wir jetzt schon teilweise mit dem Rücken an der Wand standen ... Folgender Satz in diesem Workshop hat sehr viel verändert: „Wenn du Nein sagst, ist es ein Nein, weil es die Umstände nicht anders zulassen, oder ist es ein Nein, weil du willst, dass dein Kind macht was DU willst?“ Na? Was hören wir aus der zweiten Möglichkeit raus? Richtiiiiig! Kontrolle. In dem Fall wieder die der Eltern. Und der Clou an der Sache: Inzwischen war ICH das Elternteil. Ich habe mir diese Frage für sehr lange Zeit jedes Mal gestellt, bevor ich unserer Tochter gegenüber ein „Nein“ ausgesprochen habe. Und ich stellte erschreckend oft fest, dass ich tatsächlich ein „Nein“ ausgesprochen hätte, weil ICH wollte, dass meine Tochter tut was ICH will.

Oft konnte ich dann doch „Ja“ sagen, weil das was sie wollte, eigentlich gar nicht so schlimm war. Vielleicht brauchten wir durch das „Ja“ ein bisschen mehr Zeit in manchen Situationen und kamen langsamer voran als ich es mir wünschte. Oder ich bin oftmals einen Kompromiss mit ihr eingegangen, der beide Seiten zufriedengestellt hat. Aber hej ... wozu hab‘ ich denn ein Kind in die Welt gesetzt? Um es in die Form meines Willens und meiner Vorstellung zu quetschen und durch die Welt zu hetzen, als ob es nichts gäbe? Bestimmt nicht. Diese Erfahrung hat mich sehr viel gelassener gemacht. Ich habe Kontrolle abgegeben. Entscheidungen abgegeben. Oftmals auch an diesen kleinen Menschen. Und ich habe schlagartig die Veränderung spüren können, da sie dadurch ebenfalls gelassener wurde. Sie fühlte sich verstanden, gehört und ernst genommen in ihren Bedürfnissen. Das machte sie zufrieden. Und mich auch.

Meine Neurodermitis wurde weniger, ich wurde fröhlicher und nahm vieles nicht mehr so ernst wie früher. Die Psyche, der Druck, unter den man sich oft selbst setzt, spielen eine große Rolle. Und der Körper ist am Ende derjenige, der die Signale sichtbar macht.

Ich habe mal gelesen, dass Krankheiten ein Regulations- und Heilungsbemühen des Organismus sind. Und dem stimme ich absolut zu. Krankheiten, Allergien, Ausschläge, Ticks, Störungen … Die Liste ist unendlich. Es lohnt sich auf die Ursachen zu schauen und nicht die Symptome durch allerlei Chemie, die man in sich rein stopft wie einen Korken unter Wasser zu drücken, der dann irgendwann an einer anderen Stelle sowieso wieder hoch ploppt.

Wir sollten unseren Körper nicht verurteilen, weil er Symptome zeigt. In der Regel macht er das nicht, weil ihm langweilig ist.

IIch finde es gut, den Versuch zu starten, sich in erster Linie zu fragen, was der Körper einem eventuell sagen und worauf er hinweisen möchte. Und nicht die Verurteilung dafür, dass er nicht mehr so funktioniert, wie er sollte und man genervt ist. Eher dankbar dafür zu sein, was er für uns tut. Jeden Tag. Er ist unser engster Begleiter und wir sollten ihm ausreichend Aufmerksamkeit schenken, was im Wusel des Alltags schnell vergessen wird.

Unsere Wohnung sieht oftmals aus wie Kraut und Rüben. Ok, wenn Besuch kommt, räume ich immer noch vorher auf und entschuldige mich trotzdem für das Chaos ... aber es ist nicht mehr so extrem wie früher. Wir leben hier und es ist kein Museum.

Die Gelassenheit hat sich positiv auf mich, meine Familie, mein Berufsumfeld und meinen Alltag ausgewirkt. Ich bin nicht mehr so verbissen und stur, lasse mich viel öfter auf Kompromisse ein und bin dabei dennoch glücklich und fröhlich. Und nun erwarten wir unser zweites Kind. „Noch mehr Gelassenheit“ steht also dieses Jahr ganz weit oben auf meinem Wunschzettel!

MAT-DE-2003676 v1.0 (10/20)

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