Dekoratives Element Großes blaues N.
Ein Porträt von Anja.
Anja

KW 46, 16.11.2022 (Mittwoch)

Dekoratives Element Illustration eines Druckers.
Neurodermitis im Alltag

Brief an meine Neurodermitis

Alle Neurodermitiker, die sich in schlaflosen Nächten durch verschiedene Foren graben und nach Antworten auf ihre verzweifelten Fragen suchen, kennen diesen Rat: „Schreib doch mal einen Brief an deine Neurodermitis!“ Auch ich bin eines Nachts auf diesen Rat gestoßen und habe beschlossen, dem Ganzen eine Chance zu geben. Aber wie fängt man so einen Brief an? Schreibe ich ihn als wäre meine Krankheit eine Person? Ist das nicht lächerlich? – Fragen über Fragen ...

Ich habe mich dann trotzdem getraut und es versucht und war begeistert davon, wie gut mir das Ganze getan hat. Aus diesem Grund schreibe ich mittlerweile laufend Briefe an meine „Neuro“ – wie ich meine Neurodermitis liebevoll nenne. Ich möchte hier einen meiner Briefe mit Euch teilen. Ich habe ihn im Sommer geschrieben und dabei die vergangenen Monate Revue passieren lassen:

Liebe Neuro,

wo soll ich nur anfangen? Unser vergangenes Jahr war spannend, wenn ich darauf zurückblicke. Das Jahr hat einen holprigen Start genommen. Nach nahezu zwei Jahren ohne großen Schub hast Du Dich plötzlich wieder ausgebreitet. Der Auslöser für Deinen Besuch wurde mir rasch klar: Klausurenphase in Kombination mit einer eher vernachlässigten Ernährung – selten eine vielversprechende Kombination. Ich entschied mich, Deinen Besuch dieses Mal anders anzugehen als die Jahre zuvor.

So vereinbarte ich, mit einem mulmigen Gefühl im Bauch, einen Termin bei einer Psychotherapeutin. In der Vergangenheit hatte ich davon immer eher Abstand genommen, war es doch schließlich immer noch tabuisiert, sich in psychologische Betreuung zu begeben. Irgendwie hatte sich meine Ansicht zu diesem Thema jedoch geändert. Ich betrachtete den Termin bei der Therapeutin eher als eine Art Selbstfürsorge und wollte versuchen, den Schub dieses Mal an der Wurzel – dem Stress – zu packen.

Meine Therapeutin half mir dabei, Dich in den Griff zu bekommen und die Zeichen, die Du mir schicktest, zu verstehen. Sie unterstützte mich dabei geeignete Wege zu finden, den Stress zu reduzieren und Deinen Besuch gelassener zu sehen. Von Januar bis März wurdest Du immer stärker und hast mich so manche Nacht wachgehalten. Vor allem am Hals, im Gesicht und an den Armen hast Du mir kaum einen Fleck gesunde Haut übriggelassen. Vor vier Jahren hättest du mich damit vermutlich an den Rand der Verzweiflung getrieben. Damals konnte ich mit schlaflosen Nächten durch den Juckreiz sehr schlecht umgehen. Auch die Flecken, die das Kratzen hinterließ, waren nur schwer für mich zu ertragen. Sie sorgten jahrelang dafür, dass ich mich minderwertig und unwohl fühlte.

Doch in diesem Schub war alles anders. Ich nahm Deinen Besuch an, war geduldig mit Dir und versuchte, die Signale zu verstehen, die Du mir schicktest. Dadurch konnte ich mich vollkommen darauf einlassen, ohne zu versuchen, das Gegebene zu verändern. Mich plagten keine Selbstzweifel, ich verspürte weder Traurigkeit noch Verzweiflung – zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich während eines Schubes mein Leben normal weiterleben, ohne mich eingeschränkt zu fühlen.

So geschah es, dass ich bemerkte, wie Du Dich ab April mehr und mehr zurückzogst, bis Du im Juni schließlich ganz verschwunden warst. Ich genieße meine schöne und symptomlose Haut seither noch viel mehr.

Liebe Neuro, das vergangene Jahr hat uns unheimlich viel gelehrt und uns so nahe zusammengebracht wie nie zuvor. Ich bin von ganzem Herzen dankbar, dass Du ein Teil von mir bist! Du hast mich zu dem gemacht, was ich heute bin, und Du zeigst mir Tag für Tag, was mich unglücklich macht, wenn ich selber mal wieder viel zu beschäftigt bin, um es zu merken – sozusagen meine ganz persönliche Alarmanlage.

Wir sind ein tolles Team!

Deine Anja

MAT-DE-2204660-1.0. 10/2022

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